Harter Zinnober-Täubling?

Es gibt 18 Antworten in diesem Thema, welches 3.212 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von kuhmaul.

  • Hallo ins Forum,


    die drei auffälligsten und nicht (bzw. nicht gut) aus den Bildern ersichtlichen Merkmale:


    - Huthaut auffällig samtig, wie ein Pfirsich.
    - sehr kompakt und hart. Drückt man den Hut an gegenüberliegenden Seiten zusammen, biegt er sich nur sehr wenig und bricht dann.
    - bestialischer Gestank. Könnte eine fischige Komponente haben.



    - Durchmesser ca. 6-7 cm
    - Stiel ca. 1,5 cm x 4 cm
    - Fleisch hell, im Schnitt relativ schnell gelblich braun verfärbend
    - Lamellen hell, leicht gelblicher Schimmer, nach Berührung braunfleckend
    - Huthaut weinrot, etwas aufgerissen, von der Mitte her ockerfarben ausblassend
    - Huthaut ist nur sehr wenig abziehbar, max. 1/4. Hutfleisch darunter pinkfarben
    - Stiel pinkfarben geflammt
    - Geschmack mild (die Geschmacksprobe war mit einiger Überwindung verbunden, und ich habe auch nicht die Lamellen probiert wie sonst, sondern ein Stückchen ganz aus der Mitte des Stielfleischs)


    Er stand als Einzelexemplar direkt unter Kiefern, in kurzer Distanz noch Linden. Grasiger Standort (Park). Da ich von dort schon mal einen Pilz mit trügerischem Sekundärgeruch aufgesammelt habe, habe ich die eine Hälfte ausgiebig und mit mehrmaligem Wechsel des Wassers gewaschen. Das schwächte den Geruch deutlich ab, aber ganz leicht vorhanden ist er immer noch und überdeckt andere evtl. vorhandene Gerüche, so dass der Geruchsbeschreibung hier wohl besser keine Beachtung finden sollte.


    Angesichts der Samtigkeit und vor allem der Härte lautet mein vorläufiger Bestimmungsversuch wie im Betreff. Der Standort scheint allerdings nicht so ganz perfekt zu passen. Sporenpulverfarbe wird nachgereicht, wenn er welches rausrückt.


    Ich freue mich auf eure Einschätzungen hierzu.


    LG, Craterelle

  • Hallo,


    wie wärs mit dem hier? Könnte meiner Meinung passen.


    https://www.123pilze.de/DreamH…load/Heringstaeubling.htm


    Rein Makroskopisch betrachtet
    Das Fleisch bräunt bei dieser Art nach einiger Zeit und der Pilz riecht fischig, Lamellen sind gelblich. Desweiteren könnte er mit Kiefer und schmeckt mild.


    Gruß
    Stefan

    • Offizieller Beitrag

    Hi,


    schmier mal Eisensulfat und Phenol an den Stiel. So anhand der DAten ist keine Bestimmung möglich.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Nexxxus-Stefan,


    Den hatte ich auch als Verdächtigen, v.a. als ich noch auf der fischigen Spur war.


    Allerdings müsste der m.E. eine glatte, eher glänzende Huthaut haben, die weiter abziehbar ist, und sollte auch nicht so auffällig hart sein.


    Vielleicht kann hier jemand, der beide Arten oder wenigstens den Nadelwald-Heringstäubling aus eigener Anschauung kennt, etwas dazu schreiben, wie es mit diesen Merkmalen und deren Variabilität aussieht?


    LG, Craterelle

  • Hallo Caterelle,


    hast das mit dem Russula Faginea abgeglichen?
    Mir sticht einfach der helle Fleck in der Hutmitte so ins Auge.


    der fischige Geruch würde passen. "Heringslake"


    LG Jospeh

    • Offizieller Beitrag


    Hi,


    hier ist vieles möglich. Hattest du den Eindruch, dass der noch recht frisch war? So anhand der Bilder kann das vieles sein. Ich schrieb ja Eisensulfat: müsste bei einem Hering sich grün verfärben und bei R.olivacea mit Phenol dunkelrotbraun.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Joseph,


    Den hatte ich nicht so im Blick, weil mir keine Buchen aufgefallen sind. Allerdings wird Rotbuche auch für Hecken verwendet, das müsste ich am Standort nochmal nachprüfen. Ich finde ihn aber dafür auch sehr (zu?) kräftig dunkelrot in der Hutfarbe.


    Dass ich den zuerst mit Fisch in Verbindung gebrachten unangenehmen Geruch inzwischen für eine falsche Fährte halte, hatte ich ja schon geschrieben. Pilzgerüche sollten nicht abwaschbar sein, vermute ich.


    LG, Craterelle

  • Hallo Craterelle
    das Bräunen, Fischgeruch, pinker Stiel, pinke Lamellenschneiden deutet doch sehr auf eine Art aus der Gruppe um Russula xerampelina, dem Nadelwald Heringstäubling hin.
    Ist der Boden bei dir eher basisch, dann würde das auch gut passen.
    Der Eisensulfat Test gäbe da Sicherheit.


    Gruss
    Uwe

  • Hallo Uwe,


    Wir haben generell zwar saure Böden, aber im Berliner Stadtgebiet sind erhöhte Kalkgehalte auch nicht ausgeschlossen, sagte mir mal jemand (aus Bauschutt/Zement/Mörtel).


    Fe-II-Sulfat wäre sicher eine gute Idee, aber auf die Schnelle schwer zu bekommen. Wenn es nur auf das zweiwertige Eisen ankäme, könnte ich es mit Eisenacetat ausprobieren.


    Pinkfarbene Lamellenschneiden vermag ich übrigens nicht zu erkennen. Stellenweise bräunlich (nach Berührung) sonst cremefarben-blassgelblich wie die Lamellen selbst.


    LG, Craterelle

  • Mit frischem Fe-II-Acetat auf der Stieloberfläche schokoladenbraun, im Fleisch unspezifisch (schwach grau). Das dürfte natürlich nur wenig Aussagekraft haben, weil nicht gesagt ist, dass sich Eisensulfat und -acetat gleich verhalten.


    An meiner ursprüngliche Idee sind mir nach weiteren Bildvergleichen doch starke Zweifel gekommen, das Rot der Huthaut wirkt meistens deutlich leuchtender und eher heller.


    Naja, vielleicht sport er noch ab, was weitere Hinweise geben könnte. Oder ich habe bis zum nächsten (hoffentlich unbepinkeltem) Fund richtige Chemikalien.


    Danke euch allen!
    LG, Craterelle

  • Hallo Craterelle,
    ich habe selten einen so eindeutigen Heringstäubling gesehen. Wenn du ihn wegdiskutieren möchtest, dann kommst du meiner Meinung nach als Gegenbeweis nicht um die Eisensulfatprobe herum. R. lepida (Harter Zinnobertäubling) hätte selbst im Alter noch blasse Lamellen, dagegen sind die hier schon bräunlich gelb, obwohl der Pilz noch nicht alt ist.
    Noch etwas zur gelb ausgeblassten Mitte, die Heringstäublinge oft haben. Die Hutfarben der Heringstäublinge sind polychromatisch, d. h. es gibt rote, gelbe und blaue Farbpigmente, die in ihrer jeweiligen Mischung die wahrnehmbare Hutfarbe des Exemplars ausmachen. Hier ist es so, dass in der Hutmitte die gelben, gegen den Hutrand zu dagegen die roten und blauen Pigmente überwiegen. Andere rothütige Täublinge, z. B. R. lepida, haben nur eine Art Pigment in der Hutfarbe (monochromatisch). Folglich würde man bei R. lepida nie einen richtig zweifarbigen Hut haben so wie hier (purpurbraun/gelb), sondern nur im gleichen Farbton stärker oder blasser (das typische lepida-Rot, welches schrittweise zu Rosaorange, Rahmgelb und Milchweiß/Altweiß ausblasst). Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken.
    FG
    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    Einmal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Zitat von Oehrling


    Hallo Craterelle,
    ich habe selten einen so eindeutigen Heringstäubling gesehen...
    FG
    Oehrling


    ok, dann habe ich meine geheime Wette auf eine alte vergammelte R. olivacea verloren.


    Danke Oehrling
    claus

  • Hallo Claus,
    auf mich wirkt der Pilz überhaupt nicht vergammelt. Der Finder berichtet ja auch, dass der Pilz sehr fest und knackig ist. Das Bräunen der Lamellen gehört zum Pilz und ist innerhalb der Gattung Russula ein gutes Bestimmungsmerkmal, weil das nur ganz wenige Täublinge machen. Z. B. R. olivacea macht das nicht, obwohl deren Lamellen auch gelb werden. Der angegebene "bestialische Gestank" (ob der wirklich bestialisch oder nicht bloß müffelnd war?) ist wohl der korrekte Geruch eines angetrockneten Heringstäublings.
    FG
    Oehrling

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    Einmal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Zitat von Craterelle


    Naja, vielleicht sport er noch ab, was weitere Hinweise geben könnte. Oder ich habe bis zum nächsten (hoffentlich unbepinkeltem) Fund richtige Chemikalien.


    Danke euch allen!
    LG, Craterelle


    na, da haben wir noch eine Chance offen...


    claus

  • Hallo Claus, hallo Oehrling,


    Keine Sporen über Nacht :(


    Ca. 6 h hätte er noch Zeit dafür.


    ich habe selten einen so eindeutigen Heringstäubling gesehen. Wenn du ihn wegdiskutieren möchtest, dann kommst du meiner Meinung nach als Gegenbeweis nicht um die Eisensulfatprobe herum.


    Nö, will ich ja gar nicht (und selbst wenn hätte ich immer noch kein FeSO4). Etwas um R. xerampelina war sogar meine erste Idee, aber durch den Hundepipi-Pilz kürzlich war ich nicht so recht bereit, dem Geruch Glauben zu schenken. Er fing aber einige Stunden nach der Waschaktion wieder an zu fischeln.


    Vielen Dank auch für deine ausführlichen weiteren Erläuterungen, die sehr hilfreich waren.


    Ich finde den Geruch tatsächlich zum Weglaufen, aber ich mag Fisch auch nur, wenn er möglichst wenig nach Fisch schmeckt.


    Und vergammelt wirkt der Fruchtkörper auf mich auch nicht, war zwar voll aufgeschirmt, schien aber noch ziemlich fit und ist auch über Nacht nicht "weggelaufen".


    LG, Craterelle

  • Der Vollständigkeit halber: das Pilzstückchen hatte noch keine Sporen abgeworfen, und ich habe vergessen, es zu entsorgen, so dass es zwei Wochen in meiner Wohnung lag, während ich unterwegs war. Voila, auf der Huthaut zwar Schimmel, aber unter den Lamellen Sporenpulver.

  • Hallo,
    dieses Sporenpulver ist meines Erachtens zu dunkel für R. lepida, passt aber gut zu R. xerampelina oder R. graveolens, also den Heringen.
    FG
    Oehrling

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  • Hallo craterelle,



    glaubs Öhrling, denn........er ist der Fachmann für Täublinge!!!!!! Und Karl W.





    Liebe Grüße





    Heidi

    Jeder Tag an dem Du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag.
    Auch von mir gibt es keine Essensfreigabe.



    100 Chips, da Islandwette verloren = 95 Chips
    95-2 Chips für Jan-Arnes Rätsel = 93 Chips
    93-5 Chips für Grünis Grauen Wulstling= 88 Chips
    88-10 Chips für APR 2017 = 78
    78 + 10 (APR 2017 als erste über die Hälfte der Gesamtpunkte gekommen) = 88

    88-3 Chipse für OPR = 85

    85 - 10 Chips für APR 2018 = 75

    75 + 5 fürs APR = 80

    80 -10 Chipse für APR 2019 = 70 Chipse

    70 +5 Apr 2019 = 75


    Keine Veröffentlichung ohne mein Einverständnis!!!!!!


  • da stimme ich dir voll zu Heidi ...


    Grüsse
    claus