Böhmische Verpel als "Morcheln" verkauft

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 615 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Cyathus.

  • Hallo Pilzfreunde,


    folgendes sprang mir bei meinem heutigen Besuch in einem Feinkostladen entgegen:



    Ein Korb voll böhmischer Verpeln, als "Morcheln" deklariert. Mein Versuch, die Dame im Geschäft auf den Fehler anzusprechen, wurde recht unwirsch zurückgewiesen ("Das sind Morcheln! Steht doch auch drauf!"), ich habe es dann dabei belassen, weil eine Diskussion da wohl eh keinen Sinn gehabt hätte.

    Ist das eine gängige Geschäftspraxis, hat jemand schonmal etwas ähnliches beobachtet? Und ist der Preis gerechtfertigt? Würde mich mal interessieren, was ihr so dazu denkt.


    LG

    Michel

  • Verpa bohemica gehört systematisch zu den Morchellaceae - also m.E. alles in Ordnung.

    Der Preis - naja, muss jeder selber wissen. Ich würde Verpeln aus Geschmachsgründen wohl nicht kaufen.

    Grüße Axel

    "Das Artensterben ist der neue Klimawandel. Der Verlust der Biodiversität ist die wahre Krise des 21. Jahrhunderts"

    aus Glaubrecht: "Das Ende der Evolution"

  • Hallo Michel,


    nachdem es keine Morcheln sind, liegt hier eine Verbraucher-Täuschung vor.

    Du hast zwei Möglichkeiten:

    1) Nehme die Täuschung hin und fertig.

    2) Kaufe eine kleine Portion, bringe sie zur Polizei und erstatte Anzeige. Geht recht einfach und schnell. Alles andere läuft dann von selbst. Und du wirst auf Wunsch informiert, wie das Ganze abgelaufen ist.


    Die Entscheidung liegt bei dir.


    Gruß

    Peter


    PS: Jeglicher Preis ist gerechtfertigt. Es wird alles verkauft, mit dem Geld zu machen ist. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Das ist die freie Marktwirtschaft. :saint:

  • 2) Kaufe eine kleine Portion, bringe sie zur Polizei und erstatte Anzeige. Geht recht einfach und schnell. Alles andere läuft dann von selbst. Und du wirst auf Wunsch informiert, wie das Ganze abgelaufen ist.

    Naja... Die Polizei ist für Straftaten zuständig. Eine Straftat wäre Betrug. Betrug gibt es nur bei Vorsatz - also nicht bei Irrtum.


    Dass diese Pilze überhaupt im Handel erhältlich sind, ist schon recht ungewöhnlich. Selbst in der Artenliste kultivierbarer Speisepilze tauchen sie nicht auf.

    Außer vielleicht Pfifferlinge würde ich eh keine Wildpilze kaufen. EDIT: Oder sind das etwas Zuchtpilze?

    Hinweis: Fragen zur Pilzbestimmung erfolgen nur aus Interesse, ich esse keine selbstgesammelten Pilze!

  • ...

    PS: Jeglicher Preis ist gerechtfertigt. Es wird alles verkauft, mit dem Geld zu machen ist. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Das ist die freie Marktwirtschaft. :saint:

    Hallo,


    es wird das angeboten, wofür der Käufer, der meint das Feilgehaltene haben zu müssen, bereit ist, zu zahlen. So einfach ist das. Und wenn den Preis jemand zahlt ist alles gut, dann sind alle zufrieden. g:D


    Edit: mir fällt eben ein, als ich einmal vor Jahren in NRW war, da wurden auf dem Markt Steinpilze für über 80 € das Kilo verkauft...


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Naja... Die Polizei ist für Straftaten zuständig. Eine Straftat wäre Betrug. Betrug gibt es nur bei Vorsatz - also nicht bei Irrtum.


    Hallo,


    genau darum geht es. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft müssen klären, ob es sich um Betrug handelt. Ohne Anzeige werden die nicht tätig. Mit Anzeige müssen sie.

    Erst bei einer Anzeige wird die Lebensmittelüberwachung eingeschaltet.


    Es soll anscheinend auch online eine Möglichkeit der Verbraucherbeschwerde geben (https://www.service-bw.de/zufi…75?plz=74523&ags=08127076). Damit habe ich aber keine Erfahrung.


    Die Erfahrung mit falsch deklarierten Pilzen (kommt gar nicht selten vor) hat mich gelehrt, dass es bei falsch deklarierter Ware in der Verkäuferkette immer Unwissende und mindestens einen Betrüger gibt.


    Gruß

    Peter

  • Dass diese Pilze überhaupt im Handel erhältlich sind, ist schon recht ungewöhnlich. Selbst in der Artenliste kultivierbarer Speisepilze tauchen sie nicht auf.

    Außer vielleicht Pfifferlinge würde ich eh keine Wildpilze kaufen. EDIT: Oder sind das etwas Zuchtpilze?

    Hallo Nordland,

    das sie nicht in der DGfM-Liste auftauchen sagt ja noch nichts aus, man kann durchaus Pilzbrut der Bömischen Verpel käuflich erwerben z. B. hier: https://www.pilzmaennchen.de/p…Ntb5Ic_Md7JEaAl_fEALw_wcB

    viele Grüsse

    Matthias

  • Hallo,

    Verpa bohemica gehört systematisch zu den Morchellaceae - also m.E. alles in Ordnung.

    na mit der Begründung könnte man auch kleine Gift-Schirmlinge (Lepiota spp.) als Champignons verkaufen, weil sie ebenfalls zu den Agaricaceae gehören.
    Die Morchellaceae sind eben Morchelverwandte und nicht (nur) Morcheln.


    Ich finde es schon sehr bedenklich, dass Verpeln als Morcheln verkauft werden. Nicht nur aufgrund ihres deutlich geringeren Speisewerts, sondern vor allem, weil es eben keine Morcheln sind ... Mit etwas Pech sind es vielleicht beim nächsten Mal Giftlorcheln, die als Morcheln verkauft werden.


    Viele Grüße

    Emil

  • Hallo Emil,

    keine Giftschirmlinge oder Giftlorcheln.

    es wurden essbare Verpeln aus der Morchelverwandschaft als Morcheln verkauft - na und?

    Grüße Axel

    "Das Artensterben ist der neue Klimawandel. Der Verlust der Biodiversität ist die wahre Krise des 21. Jahrhunderts"

    aus Glaubrecht: "Das Ende der Evolution"