Hallo Ingo,
die fraglichen Hygrocybe miniata müssten jetzt ja schon etwas weiter entwickelt sein und eventuell so aussehen wie auf dem folgenden Foto.
Hygrocybe miniata
Zusätzlich zur Mikroskopie der Lamellentrama würde ich auch noch einen weiteren Sporenabwurf untersuchen, nach Möglichkeit von einem etwas älteren, voll aufgeschirmten Fruchtkörper. Die Zellen der Lamellentrama kann man problemlos im Verbund vermessen, einfach ein kleines Stück einer nicht zu dicken Lamelle zwischen Objekträger und Deckgläschen positionieren, etwas quetschen und dann mikroskopieren. Ob es sich um eine subreguläre Lamellentrama (mit kurzen Zellen) oder um eine reguläre Lamellentrama (mit langen Zellen) handelt, ist sofort zu erkennen (der Unterschied ist sehr groß).
Glückwunsch zum Fund von Arrhenia peltigerina, die Art scheint in Bayern ja recht selten zu sein (noch kein Fund in pilze-deutschland.de). Nach meiner Einschätzung parasitiert der Nabeling die Schildflechten. Bei einem Befall lässt sich häufig eine auffällige Verfärbung der Flechtenthalli ins Gelbliche beobachten. Hierin gleicht Arrhenia peltigerina einer ebenfalls an Schildflechten parasitierenden Form von Gamundia striatula.
Gamundia striatula auf deutlich verfärbten Schildflechten
Vorkommen von Gamundia striatula oder Arrhenia peltigerina lassen sich daran auch schon in Abwesenheit von Fruchtkörpern erahnen bzw. ausfindig
machen.
In der weit überwiegenden Zahl der Fälle wird Peltigera rufescens parasitiert, gelegentlich auch Peltigera didactyla. Das sind im Offenland auch die mit Abstand häufigsten Schildflechten. Erst einmal fand ich Arrhenia peltigerina an Peltigera canina und bei Deinem Fund scheint es sich um die seltene Peltigera neckeri zu handeln. Ganz sicher bin ich mir nicht, da ich auf Deinen Fotos nicht erkennen kann, ob die Schildflechten eine glatte oder eine bereifte bzw. feinfilzige Thallusoberseite aufweisen. Dies lässt sich erst bei halbwegs trockenen Thalli und am besten mit Lupe beurteilen. Ich vermute, dass sie glatt ist.
Für die Bestimmung von Schildflechten werden nahezu ausschließlich makroskopische Merkmale herangezogen, Mikroskop und Reagenzien spielen praktisch keine Rolle. Problematisch ist die große Variabilität vieler Arten und Peltigera ist trotz der Größe der Thalli eine der schwierigsten Flechtengattungen.
LG Ingo