Beiträge von Clavaria

    Hallo Björn


    Auch wenn ich mich nur am Rande mit Ascomyceten beschäftige: Respekt und vielen Dank für diese Arbeit, ich kann mir kaum vorstellen wie viele Stunden du damit verbracht hast!


    LG Raphael

    Hallo Schorsch


    Ja es ist unglaublich, was es kostet so ein Buch über die Grenze zu schaffen. Die Schweizer Post ist unverschämt teuer.

    Leider konnten wir Andreas Gminder nicht überreden, das Buch in sein Sortiment aufzunehmen :(.

    Wenn genug Leute bei ihm nachfragen, überlegt er es sich vielleicht nochmal. Eine grössere Lieferung nach Deutschland wäre natürlich in Summe günstiger und es wäre auch ein Mengenrabatt möglich.


    Dass bei euch oft nur Euro-Überweisungen möglich sind, überrascht mich aber doch in der heutigen Zeit. Jeder will/muss doch mal in einer gängigen Fremdwährung etwas überweisen... naja ich rege nochmal an, Paypal zu akzeptieren.


    Gruss Raphael

    Hallo Michael


    Oha, das ist ungewöhnlich. Das Buch ist schon lange lieferbar und es gibt noch genug an Lager. Hast du mal nachgefragt? buchhandel(at)vsvp.com


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Peter schaut hier wohl nicht regelmässig vorbei, ich versuche es mal... bitte korrigiere mich, wer auch immer mehr Ahnung von der Thematik hat.


    In Abb. 3 der Arbeit kann man mit viel Mühe entziffern, welche Sequenzen für C. dealbata verwendet wurden:

    Clitocybe rivulosa voucher AH44075 18S ribosomal RNA gene, partial seq - Nucleotide - NCBI

    Clitocybe dealbata voucher AH39082 18S ribosomal RNA gene, partial seq - Nucleotide - NCBI

    Clitocybe dealbata voucher AH39096 18S ribosomal RNA gene, partial seq - Nucleotide - NCBI

    Von diesen drei Kollektionen gibt es meines Wissens keine Beschreibung, oder ich finde sie gerade nicht.

    Also wissen wir nicht, ob das unser "Feldtrichterling" ist, oder vielleicht das gleiche wie Peters "Clitocybe quisquiliarum", oder vielleicht sogar noch etwas anderes.


    Die drei Sequenzen stammen aus einer anderen Arbeit, nämlich Alvarado et al. 2018.

    Diese Autoren weisen bereits darauf hin, dass der ganze Komplex aus molekularer Sicht umgebaut werden muss.

    Die Chinesen haben hier also nur die Arbeit einer anderen Autorengruppe fortgeführt, ohne eigene, neue Erkenntnisse bzgl. C. dealbata.

    Vermutlich haben sie sich mit dem Namen "Clitocybe dealbata" auch nur oberflächlich auseinandergesetzt.


    Also was ist nun "Collybia dealbata"? Das ist weiterhin unklar! Die Chinesen haben einfach der Art, zu der diese drei genannten Sequenzen gehören, und die in der Genbank zweimal "Clitocybe dealbata" heisst, und einmal "Clitocybe rivulosa", den neuen Namen "Collybia dealbata" gegeben.

    Aber ob das wirklich das gleiche ist wie der Pilz, den Sowerby im Jahr 1799 "Agaricus dealbatus" taufte, wissen wir nicht.

    Dazu müsste der Typusbeleg von Sowerby sequenziert werden, das ist bisher nicht geschehen oder zumindest nicht öffentlich zugänglich.

    Oder falls es keinen (oder keinen verwertbaren) Beleg gibt, müsste jemand einen Neotypus bestimmen. Auch das ist nicht geschehen.


    Die Arbeit von Peter (und damit auch C. quisquiliarum) wurde von den Chinesen gekonnt ignoriert. Oder besser gesagt: Nicht wahrgenommen.

    Der Name C. quisquiliarum hat sich schon im deutschsprachigen Raum wenig durchgesetzt, weltweit dürfte ihn kaum jemand wahrgenommen haben.

    C. quisquiliarum wurde als Name zweifellos gültig publiziert, aber ohne eine öffentlich zugängliche Typussequenz. Vermutlich wurde der Typus nie sequenziert.

    In den üblichen Datenbanken (Index Fungorum, Mycobank) findet man zwar Clitocybe quisquiliarum, aber keinerlei Bezug zu Clitocybe dealbata. In der Genbank findet man das Taxon überhaupt nicht.

    Zumindest im Index Fungorum hätte man eintragen können, dass Clitocybe quisquiliarum = "Clitocybe dealbata (Sow.: Fr.) P. Kumm ss. J. E. Lange, E. Ludw." ist.

    Ohne entsprechenden Eintrag in den üblichen Datenbanken macht man es ausländischen Autorengruppen, die primär molekular arbeiten, sehr schwer überhaupt auf ein Taxon aufmerksam zu werden. Es gibt weltweit hunderte Zeitschriften von denen viele kaum online zugänglich sind. Niemand kann die alle lesen. Wenn dann weder in der Genbank, noch im Index Fungorum, noch in der Mycobank ein Hinweis zu entdecken ist, dass Clitocybe quisquiliarum irgendwie im Zusammenhang mit Clitocybe dealbata steht, dann wird höchstwahrscheinlich auch kein chinesischer Wissenschaftler auf die Idee kommen, sich mit Clitocybe quisquiliarum zu beschäftigen.

    Ja natürlich, bei einem wirklich fundierten wissenschaftlichen Vorgehen müsste man das erwarten. Aber dafür fehlt es an Zeit und Geld.


    Also, diese Autoren sammeln einfach alles, was in der Genbank an Sequenzen aus vertrauenswürdigen Quellen zu finden ist, und arbeiten damit weiter.

    Mit dieser Arbeitsweise gehen die Autoren ihrerseits wieder das Risiko ein, dass ihr Name sehr schnell wieder zum Synonym wird.

    Wenn nun jemand die europäischen Typus-Belege sequenzieren würde, oder Neotypen definiert, kann sich alles wieder ändern.


    Eigentlich können wir von Glück reden, dass in der Arbeit nur so wenige Arten umkombiniert wurden.

    Wenn man das etwas seriöser bearbeitet, könnte man viele Fragezeichen in dieser Gruppe lösen.

    Die vorliegende Arbeit hat keine Fragen beantwortet, keine taxonomischen Verwirrungen gelöst, sondern einfach mehr Verwirrung gestiftet.


    Gruss Raphael

    Hallo Oskar


    Ja, solche wissenschaftlichen Publikationen sind (meistens) der Quelle von neuen Namen.

    Grundsätzlich kann jeder Namen ändern, man unterliegt dabei aber gewissen nomenklatorischen Richtlinien.

    Die Änderung muss unter anderem nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft begündbar sein.

    Was heute z.B. nicht mehr ginge, wäre alle Pilze mit Stielring oder alle blauen Pilze in einer Gattung zusammenzufassen.


    Bis sich diese neuen Namen durchsetzen, wird es wohl sehr lange dauern. Vor allem wenn es so bekannte Arten sind.

    Die bisherigen Namen sind jetzt auch nicht falsch, sie entsprechen einfach nicht mehr dem neusten Stand der Wissenschaft.

    Gerade unter Laien darf man mit ruhigen Gewissen noch viele Jahre von "Lepista nuda" und "Clitocybe odora" sprechen, das wird jeder verstehen.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Diesen Winter kam in China eine neue Arbeit über Clitocybe s.l. und Lepista s.l. heraus:

    https://www.researchgate.net/publication/375959665_Systematic_arrangement_within_the_family_Clitocybaceae_Tricholomatineae_Agaricales_phylogenetic_and_phylogenomic_evidence_morphological_data_and_muscarine-producing_innovation


    Darin wird so ziemlich alles, was wir zu wissen glaubten, umgebaut. Das war allerdings schon absehbar, das bisherige Konzept von Clitocybe und Lepista war nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten.

    Entsprechende Hinweise finden sich z.B. auch bei Alvarado et al. 2018 (Atractosporocybe, Leucocybe and Rhizocybe: three newclitocyboid genera in the Tricholomatoid clade (Agaricales) with

    notes on Clitocybe and Lepista. Mycologia 107:123–136).


    Offenbar sind viele klassische Trichterlinge und Rötelritterlinge näher mit der Gattung Collybia s.str. verwandt, als mit den anderen Vertretern ihrer Gattung.

    Diese winzigen Rüblinge, die auf alten Pilzen wachsen, sind nun also in der gleichen Gattung wie der Violette Rötelritterling oder der Anistrichterling.

    Weiter wird die von der Wissenschaft lang nicht akzeptierte Gattung Pseudolyophyllum wieder ins Leben gerufen, für Trichterlinge mit zartem Habitus (vereinfacht gesagt).


    Der Fokus der Arbeit lag auf dem asiatischen Raum, deshalb sind im Moment nur wenige europäische Arten betroffen. Aber dafür kennt man die nur zu gut und muss sich jetzt an neue Namen gewöhnen:


    Alter NameNeuer Name
    Clitocybe odoraCollybia odora
    Clitocybe phyllophila (inkl. cerussata, pithyophila)Collybia phyllophila
    Clitocybe dealbataCollybia dealbata
    Clitocybe dryadicolaCollybia dryadicola
    Clitocybe rivulosaCollybia rivulosa
    Lepista irinaCollybia irina
    Lepista nudaCollybia nuda
    Lepista personataCollybia personata
    Lepista sordidaCollybia sordida
    Clitocybe metachroaPseudolyophyllum metachroum


    Für die meisten europäsischen Arten wird es wohl weitere Änderungen geben.


    Gruss Raphael

    Über das Vorkommen von Pilzen zu bestimmten Jahreszeiten ist hier ja bereits viel geschrieben worden. Begleitbäume zu Nr. 2 (Fuchsiger Röteltrichterling) waren außer Kiefer noch Birke, Eiche und insbesondere Faulbaum. Erwähnen möchte ich noch, dass diese Pilze in einem Feldgehölz auf einem alten Laubhaufen von Hofeichen standen.

    Ein Foto von der Stielbasis zu Nr. 2 füge ich hier noch an:

    Hallo Reinhard


    Hm schwierig zu sagen, auch anhand des zusätzlichen Fotos. Da hätte man den Mycelklumpen etwas zerlegen müssen, um zu schauen ob da ein paar kräftige Myzelstränge zum Vorschein kommen.

    So und ohne Mikrobilder bleibt es wohl eine Raterei...


    Gruss Raphael

    Hallo Reinhard


    Nr. 2 wäre sehr untypisch für Paralepista flaccida im Frühjahr.

    Was gab es da für Begleitbäume? Pinus ist klar. Sonst noch etwas?

    Ich vermute da Rhizocybe pruinosa. Hast du auch ein Bild der Stielbasis? Das müsste es auffallende weisse Rhizoide geben.


    Bei Nr. 3 glaube ich nicht an Lepista nuda, kann aber nur anhand der Bilder keinen besseren Vorschlag machen.


    Hast du Nr. 6 und 7 aussporen lassen? Ohne weitere Angaben bin ich unsicher, ob du da in der richtigen Gattung gelandet bist.


    Gruss Raphael

    Hallo Karl


    Die Art scheint auch in der Schweiz selten zu sein, oder sie wird zu wenig beachtet.

    Im Moment sind zwei Fundstellen registriert, ich habe das Glück direkt neben einer davon zu wohnen.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Nach einigen Tagen ohne Frost habe ich mich mal wieder in den verschneiten Wald gewagt. Leider hatte ich nur wenig Zeit, deshalb nur zwei Sachen:


    1: Ein winziger Helmling auf Totholz, wie sich später herausstellte muss es Wacholder sein.

    Mycena juniperina



    Sporen subglobos


    Cheilozystiden im oberen Bereich mit zahlreichen, teils geweihförmigen Auswüchsen


    Stiel mit ähnlichen Kaulozystiden



    2: Eine Kruste an einem alten Baumstamm, vermutlich Pinus silvestris

    Coniophora olivacea


    Die Sporen sind in KOH braun, in Melzer dextrinoid


    Ganz schön sind die riesigen, kristallisierten Zystiden


    Hyphen teils auch inkrustiert, ohne Schnallen.


    Vielleicht reicht es die nächsten Tage nochmal für eine Exkursion, es droht noch kein Frost.


    Viele Grüsse

    Raphael

    stimmt dann überhaupt nicht mehr bei nahezu quadratischen Sporen. Die längste Linie ist nämlich gerade diese Diagonale, die wir ja nicht benutzen wollen.

    richtig, die quadratischen Sporen sind die Ausnahme der Regel, aber in FE5b auch entsprechend dargestellt.


    Die anderen Sporen im Buch könnte man zum Spass mal anders messen (ich mache mir die Mühe jetzt aber nicht). Ich würde wetten, dass man nirgends eine Länge findet, die zur dargestellten Messung mehr als 0.3 µm Abweichung zeigt - was letztendlich eher unerheblich ist.


    Gruss Raphael

    Hallo Bernd


    Eigentlich ist es schon definiert, in der Entoloma-Monographie (Fungi europaei 5b) ist es genau beschrieben:



    a) Um das Problem der drei Dimensionen zu lösen, misst man nur Sporen deren Umriss scharf ist, und der Apikulus seitlich gut sichtbar ist.

    Diese gemessenen Sporen liegen also alle mehr oder weniger gleich.

    Geringe Schieflagen sind im Lichtmikroskop kaum feststellbar und haben auch keine grosse Auswirkung auf die Messung.


    b) Der Apikulus wird nicht mitgemessen.


    c) Um die restliche Sporen macht man ein Rechteck. Dieses wird definiert von der längsten Linie, die zweite Linie ergibt sich in einem 90° Winkel.

    Manchmal ist nicht so offensichtlich welches die längste Linie ist. Wenn man etwas rumprobiert, merkt man dass die Unterscheide im Bereich von µm-Bruchteilen sind, je nachdem in welchem Winkel man misst. Ein gesundes Augenmass reicht m.E. für uns Normalsterbliche, die keine eigene Monographie veröffentlichen wollen.


    Das Problem ist wohl eher, dass nicht jeder diese Monographie hat, und in anderen Büchern wird nicht so genau darauf eingegangen. Oder wenn doch, wird es vielfach überlesen.

    Da jetzt etwas Neues festlegen macht wenig Sinn, auch wenn es sicherlich andere Methoden geben würde um die Messung zu definieren. Die gesamte Literatur müsste dann überarbeitet werden weil keine Sporenmessung mehr stimmt.


    In dem verlinkten Thread von mir ging es um kubische Sporen, das ist ein Sonderfall bei nur einer Handvoll Entoloma-Arten.

    Diesen Thread würde ich deshalb nicht als Vorlage nehmen, z.B. stellt sich die Frage der "Diagonale" bei normalen Entoloma-Sporen gar nicht.

    Der Regelfall sind vieleckige Sporen wie Björn oben zeigt. Da sucht man sich einfach die Sporen raus die richtig liegen und misst gemäss Definition.


    Lg Raphael

    Hallo zusammen


    Melanoleuca bestimme ich nur mit den Papers von Antonin, sämtliche andere Literatur ziehe ich nicht mehr in Betracht. Das ist alles voller Fehlinterpretationen, neuer Arten die gar keine sind, oder zu knappen Beschreibungen ohne alle relevanten Merkmale.


    Ich hoffe natürlich, dass irgendwann noch eine Monographie erscheint, die auf diesen Papers basiert...


    Gruss Raphael

    Hallo,


    Du bist da sicher in der richtigen Gruppe, die Art zu bestimmen ist sehr schwierig. Aber vermutlich liegst du mit M. polioleuca richtig.

    Das braune Stielfleisch, die Sporenmasse und natürlich die Makrozystiden passen gut dazu.


    EIne Alternative wäre die wenig bekannte Melanoleuca arcuata, die müsste aber im Schnitt eher kleine, gedrungenere Sporen haben.


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Da habe ich so meine Zweifel... bei diesen Lorcheln gib es kaum verwertbare Mikromerkmale. Darum schlüsseln Skrede et al. ja auch hauptsächlich nach makroskopischen Merkmalen.

    Hat der Bestimmer genauer begründet, warum es H. elastica sein soll?


    Gruss Raphael

    Hallo Martin


    Ja das spricht alles gegen Musumecia.

    Mit Schnallen, ablösenden Lamellen, evtl. punktierten Sporen und süssem Geruch bleibt eigentlich nur Lepista s.l. übrig.

    Darum wäre das Sporenpulver interessant gewesen.

    Bei Hellsporern sollte man immer einen Sporenabdruck machen. Die Sporenmikroskopie damit viel einfacher, und natürlich kann der genaue Farbton des Sporenpulvers auch wichtig sein.


    Ich nehme an du hast nicht in Baumwollblau mikroskopiert? Bei Lepista würde man dann die Warzen besser erkennen, wenn es wirklich welche gab.

    Auf Bild 13 ist das auch nicht eindeutig zu erkennen.


    Am Ende ist es vielleicht einfach eine untypische Lepista irina...


    Gruss Raphael

    Ich habe den Verdacht, du hast einen Verdacht...

    Ja, aber es ist eigentlich zu früh weil noch zu viele Fragen offen sind. Naja egal.

    Diese eigentümlich gefärbten Lamellen erinnern mich an Musumecia vermicularis (hier: Musumecia vermicularis)


    Allerdings passt die Hutoberfläche nicht, die sollte aerifer-filzig sein.

    Wobei die Fruchtkörper schon recht alt sind, wenn es geregnet hat könnte das alles verwaschen sein.


    VIelleicht hat sonst jemand noch eine zündende Idee.


    Gruss Raphael