Beiträge von KaMaMa

    Also, ich glaube nicht, dass zermahlene Silikate den pH-Wert von Wasser wesentlich änderen. Es wird wahrscheinlich nicht als Brönsted-Säure-Base (Protonen) aufgegriffen, sondern etwas anders, vielleicht nach Lewis (Elektronen-Donatoren/Akzeptoren)?

    Bestimmt gibt es hier Chemiker, die uns hierzu erhellen können.


    LG, Martin

    Hallo Ingo,


    vielen Dank für die schöne Nachreichung!


    Eine kurze Anmerkung zum Säuretest:

    Zitronensäure trage ich nur als Test auf Kalkgehalt (CaCO3) im Substrat bei mir. Träuftel man einige Tropfen davon auf das zu prüfende Substrat (Kalkstein kann man meist schon so erkennen), so bildet sich durch die Reaktion mehr oder weniger viel CO2-Gas, das in der Flüssigkeit Blasen bildet. So kannst du z.B. Sandsteine und andere Sedimente und metamorphe Gesteine testen oder auch mineralische Böden, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie Kalk enthalten. Der häufig vorkommende Sandstein z.B. kann durch Kalk gebunden sein, aber auch kalkfrei sein - wenn er anders gebunden ist (durch SiO2, Gips, etc...). Er kann auch kalkgebunden sein, aber schon so stark verwittert, so dass er zumindest oberflächlich völlig kalkfrei ist deshalb zerbröselt.

    Basalt ist als Ergussgestein aus der Schmelze erstarrt und enthält sehr wahrscheinlich kein Carbonat, deshalb habe ich den Test gar nicht erst durchgeführt. Die Gesteinsschmelzen sind sehr heiß und erreichen Temperaturen um 1000°C, bei denen CaCO3 in CaO und CO2 zerfällt (Kalkbrennen!). Basalt ist ein basisches Silikat: basisch, weil kein oder nur wenig SiO2 (Kieselsäureanhydrit) enthalten ist, dafür mehr Aluminium- und Magnesiumsilikate, oder gar Eisenverbindungen. Kalk im Basalt kann ich nicht zu 100% ausschließen, halte ihn aber für ziemlich unwahrscheinlich.


    Das Substrat und seine Chemie haben einen ganz erheblichen Einfluss auf die Böden und die Vegetation darüber, um so mehr auch für Moose und Flechten, welche direkt auf dem Gestein wachsen. Die Zusammensetzung des Gesteins definiert, welche Ionen durch den Regen und Bodenwasser gelöst werden. Kalk löst sich leicht in saurer Umgebung, wodurch es einen großen Einfluss auf die Bodenchemie hat.

    In den Flechtenschlüsseln begegnet einem als Frage beim Substrat, ob kalkhaltig oder nicht, nicht nach basischem Silikat oder saurem Silikat. In den Artbeschreibungen hingegen findet man durchaus auch genauere Angaben zum präferiertem Substrat (Dolomit, Basalt, ...).


    LG, Martin

    Sehr schön!


    Baeomyces placophyllus soll am Thallus lt. Italic K+ gelb, C-, KC+ orange und P+ orange reagieren. UV+ schwach gelb, reife Apothecien (Epithecium) C+rot.

    Das kannst du ja so mal durchprobieren.

    Auf deinem letzten Foto wirkt die Farbe violett. Vielleicht ergibt sich eine orange Mischfarbe AUF dem Thallus, wenn du reichlich P aufträgst und wartest, bis die Färbung durch den Cortex diffundiert.


    Ich kenne diese Flechte zwar nur aus Büchern, denke aber doch, dass sie hier passen sollte.

    Ich wüsste nicht, dass es Verwechslungspartner gäbe.


    LG, Martin

    Hallo Ernst,


    ich weiß nicht, wo die Farbreaktion stattfindet. Oft ist das bei Flechten im Mark der Fall. Dann wäre die Reaktion deutlicher erkennbar, wenn du vor dem Aufbringen der Chemie den Cortex abkratzt oder schräg abschneidest. So kannst du die Färbung über weißem Untergrund (Mark) besser erkennen, ohne dass der Farbeindruck durch die hier sehr intensiv grünen Cortex/Algenlayer verfälscht wird.


    LG, Martin

    Hallo Ernst,


    das sieht interessant aus. Ich würde auch für Baeomyces plädieren. Schade, dass P negativ sein soll.

    Ist dein Reagenz noch gut oder eventuell überaltert?

    Ich würde die Reaktion unbedingt wiederholen und zuvor an einer Flechte wiederholen, die reagieren muss, um die Chemikalie zu überprüfen.


    LG, Martin

    Hallo!


    Vom Kleinen Gleichberg im Vorland des Thüringer Waldes eine auf den ersten Blick unscheinbare Flechte der Gattung Buellia:

    2-zellige, braune Sporen ohne Einschnürung am Septum, gleichmäßig dicke Sporenwand und keine Halo.

    Buelliae sind oft sehr interessant, weil nicht sehr häufig und an Sonderstandorte angepasst sind.


    Bild 1 Blick auf die Basaltbrocken auf dem Kleinen Gleichberg


    Zwischen den kleinen Basaltfelsen finden sich an den Vertikalflächen unscheinbare Krustenflechten mit hellen, bräunlich grauem Thallus und schwarzen, aufsitzenden Apothecien.

    Die Flechten besitzen einen dunklen Vorthallus, der gut zwischen benachbarten Thalli der gleichen Art erkennbar ist.


    Bild 2 Krustenflechten mit lecidein berandeten, schwarzbraunen Apothecien auf hell braungrauem Thallus


    Bild 3 Detail aus Bild 2


    Bild 4 Detail aus Bild 2


    Als Probe wandern einige abgekratzte Apothecien mit etwas Mark darunter ins Döschen.

    Bild 5 Die Probenkrümel bestehen im Wesentlichen aus schwarzen Apothecien und etwas anhaftendem Thallus.

    Das Mark ist weißlich. Es sind auch intensiv gelbe Strukturen erkennbar. Die freigelegte Algenschicht ist grün.


    Bild 6 Die Apothecien wachsen geclustert und bestehen aus kleinen Fruchtkörper (0,3-0,7 mm).

    Links im Hintergrund intensiv gelbe Stellen im sonst weißen Mark.


    Die Färbetests am Mark der Flechte fallen alle mehr oder weniger positiv aus:

    K+gelb (gelbe Medulla aber violett!),

    P+ schwach gelblich,

    C+ beständig rotbraun (nur gelbe Medulla),

    J+ blau bis lila,

    Apothecium K+gelb-orangerot ausblutend

    Das Epihymenium selbst ist K-, N-.

    Bild 7 Färbetests auf Deckglas in kleiner Menge Reagenz an weißer und gelber Medulla


    Bild 8 Querschnitt durch Apothecium in Wasser. Excipulum orangebraun, in Farbe des Hypotheciums.

    Hyphen im Exciplum unverdickt. Hymenium transparent, ohne Öltropfen, orange Stellen auch im Hymenium



    Bild 9 Dünnschnitt in Wasser: Das Hymenium ist transparent, grünstichig und zeigt deutlich orange Bereiche.

    Das Epihymenium wirkt dunkelbraun, das Hypothecium ist ebenfalls braun.



    Bild 10 Gequetschte Probe nach Zusatz von 3% KOH: Das Apothecium reagiert mit der KOH und blutet orangerot aus.

    Die Transparenz der Probe erhöht sich deutlich, da sich die orangen und braunen Bereiche lösen/entfärben.


    Bild 11 Hymenium in KOH: kopfige Paraphysenenden (etwas oberhalb Bildmitte) mit brauner Pigmentkappe, Epihymenium K-.


    pilzforum.eu/attachment/547843/

    Bild 12 Sporen (in verdünnter KOH) haben variable Längen und messen 11,5-18 x 7-8 µm.

    Die Sporen sind ohne verdickte Wandbereiche, auch nicht am Septum (= Buellia-Typ).


    Bild 13 Nach Test Farbtest Epihymenium in HNO3 (N-): weitere Sporen in HNO3 bei dieser Gelegenheit. Die Wand quillt, wirkt auch jetzt gleichmäßig dick.


    Bild 14 Hymenialgallerte K/J+blau. Ascus mit K/J+ blauem Tholus und inamyloider Axialmasse, Wand inamyloid, äußere Ascusschicht amyloid.


    Der Wirth-Hauck-Schulz'sche Buelliaschlüssel führt über nicht parasitische Arten (1*), nicht auf Erde, Moos, etc. lebend (12*) , nicht sorediös (22*), Sp. 2-zellig (27), auf Gestein (28*), Silikat (34*), Th. ohne Gelbton (35*), Paraphysen mit brauner Kappe, Sp. 2z, Epihymenium braun /oliv (39*), Ap. sitzend, nicht eingesenkt (40*), Thallus nicht schwarzbraun, ohne Randlappen (45*), Thallus K+ gelb, orange bis rot, Excipulum orange Lösung, Mark J+ blau (46*) zu 47:

    Buellia leptocline mit "Sp. 12-16 x 7-8,5, Thallus ... rissig bis areoliert, grau, K+gelb, Mark J+ blau. Ap. wulstig mit lange bleibendem Eigenrand, flach, ... 0,4-0,8(1,0)mm."

    "An beregneten Vertikalflächen von Silikatfelsen ... in der hochmontanen ... Stufe..." Fundregion u.a. auch im Vogtland.


    Da passt das allermeiste. Jedoch stören mich folgende Punkte:

    Die C-Reaktion der gelben Medullabereiche finde ich nicht erwähnt, ebenso wenig den dunklen Vorthallus. Bei Italic 8 heißt es sogar explizit C- und es käme kein dunkler Vorthallus bei dieser Art vor.


    Kennt jemand eine andere, besser passende (Bullia-)Art, die u.U. im WHS (noch) nicht erwähnt wird? Ev. B. flavescens? Diese Art soll aber Sporen vom Physconia-Typ mit verdicktem Septum haben. ==Gnolm23


    LG, Martin

    Hallo,


    am Sonntag sind wir im Wald auf Schleimpilz-Fruktifikationen an liegendem Totholz gestoßen:

    Von einer der Stellen habe ich eine Probe zur Bestimmung mitgenommen.

    Bild 1 Gelbbraune Sporocarpien auf braunem Hypothallus mit gelbem Capillitium / Sporenmasse


    Die Sporocarpien sind umgekehrt birnenförmig, etwas höher als breit und sitzen einem dunken Hypothallus auf.

    Bild 2 Reife, noch geschlossene Sporocarpien, vom Transport mit Sporen verunreinigt.

    Die Peridie ist sehr dünn und platzt bei der leichtesten Berührung.

    Während der halben Stunde Untersuchung platzen fast alle bis dahin geschlossenen Sporocarpien von alleine auf.

    Ich schätze Durchmesser von etwa 3/4 mm in Aufsicht.

    Die Höhe würde ich auf 1 mm schätzen (waren leider alle aufgeplatzt, als ich messen wollte)


    Das verfilzte Capillitium lässt sich problemlos der Restperidie entnehmen.

    Eine Columella erkenne ich nicht.

    Stellenweise sitzen die unförmigen Restperidien wabenartig dicht besammen:

    Bild 3 Blick in wabenartig angeordnete, glänzende Restperidien


    Bild 4 Unterseite des Hypothallus


    Die Sporen (Durchmesser ohne Ornament 10-12 µm) sind ockergelb und besitzen ein sehr hohes, netziges Ornament (Durchmesser mit Ornament 13-16 µm)

    Bild 5 Sporen und kurze Elaterenspitze


    Bild 6 Sporen in Wasser schwimmend (1000x)


    Die Elateren besitzen Spiralleisten ohne Spitzen, messen circa 6µm im Durchmesser und haben um 10µm lange Spitzen.

    Ein Netz bzw. Verzweigungen kann ich nicht finden.

    Bid 7 Elateren mit 4-5 dicht sitzenden Spiralleisten, ohne auffällige Stachel (in Öl schwimmend, 400x)


    Bild 8 Elaterenspitze


    Aufgrund der Fruchtkörper komme ich mit dem Schlüssel von Martin zu den Trichiales, das netzfreie Capillitium führt weiter zu den Trichiaceae.

    4-5 Spiralleisten, die dünne Peridie, die vielen freien Enden, das fehlende Capillitium-Netz weisen auf Trichia.

    Die sitzenden, länglichen Sporocarpien, die Sporen mit dem netzigen Ornament sollten für dann zu Trichia favoginea passen.

    Ich würde hier als Trichia favoginea sehen, alleine mir fehlt die Erfahrung, ob das stimmen kann.

    Bei der ähnlichen Trichia affins wären die Sporangien flacher als breit sein - das sollte hier nicht passen.


    Vielen Dank für das Drüberschauen und eure Meinung!


    Liebe Grüße, Martin

    Hallo zusammen,


    am vergangenen Sonntag haben sich Ingo ( ogni volta ), Sandra ( hilmgridd ) und meine Wenigkeit unweit Römhild, am Rande des Thüringer Waldes, getroffen, um uns dort mal umzuschauen. Der Plan war, beide Gipfel der Gleichberge aufzusuchen. Das Wetter war hervorragend, alleine die Zeit war gegen uns und wir konnten in der kurzen Zeit nur den Kleinen Gleichberg erklimmen und uns dort umtun.

    Bild 1 Kleiner Gleichberg knapp unterhalb des Gipfels (Höhe 641 m): Aussichtspunkt mit Blick über die Basaltblöcke nach Nordosten in Richtung Thüringer Wald.


    Bild 2 An der Südseite des Gipfels ist der Große Gleichberg rechts im Bild zu erkennen.


    Die Gleichberge sind tertiäre Basaltkegel. Der Gipfel des Kleinen Gleichberges besteht aus einem imposanten Blockmeer, ganz ähnlich einigen Bergen in der Kuppenrhön (z.B. Schafstein). Hier am Kleine Gleichberg fallen in der Halde merkwürdige, kanalartige uind bergab führende Gänge ringsum den Gipfel auf. Es handelt sich offenbar um die Überreste von drei Trockenmauerringen, dem Werk der in der Antike hier ansässigen Kelten, die auf dem Gipfel eine Siedlung (Oppidum "Steinburg") unterhielten.

    Die Basaltblöcke sind Wind und Wetter ausgesetzt und teils üppig mit Moosen und Flechten überwachsen.


    Unten am Sattel zwischen den Gipfeln fielen mir beim Warten auf die anderen am Stamm einer Hainbuche Physconien auf.

    Bild 3 Physconia perisidiosa auf Hainbuche mit unberindeter, dunkel-filziger Unterseite, kurzen, sich überwachsenden Läppchen und Soralen an den Enden der grob bereiften Läppchen.


    Man könnte meinen, Lippensorale entstünden durch Aufreißen des Cortex am Ende eines Lappens (vgl. H. physodes), wodurch das Mark spalt- oder mundartig freigelegt wird, wo im Anschluss die Soredien gebildet werden. Tatsächlich werden auch die Sorale bei P. tenella als Lippensorale bezeichnet, ohne dass der Thallus dort aufreißen würde. Die Lappenenden sind bei P. tenella nur "lippenförmig hochgebogen", am Rand der Unterseite findet die Bildung der Soredien statt. Genau so ist es auch hier. Das wird ebenfalls Lippensoral genannt - warum auch immer.


    Beim gemeinsamen Weg durch den Hangwald nach oben fallen an den Stämmen zahlreiche Pertusarien auf. Neben Lepra amara finden sich Thalli von Pertusaria pertusa, die punktförmige Apothecienöffnungen besitzen. Mehrere dieser schwarzen Pünktchen befinden sich jeweils in einer Areole.

    Bild 4 Pertusaria pertusa besitzt sehr große Sporen mit dicker, doppelter Sporenwand. Es befinden sich nur 2 Sporen im Ascus. Hübsch ist das orange Leuchten unter UV.


    Am interessantesten ist es zwischen den Trockenmauern. Viele kleinräumige Habitate bieten einer Vielzahl an Flechten und Moosen günstigen Lebensraum.

    Bild 5 Hangabwärts führender Graben zwischen den Felsblöcken. Derer gibt es viele - Sinn und Zweck erschleißt sich mir noch nicht...


    Es soll laut einem BLAM-Bericht zur Exkursion von 2013 am Gleichberg Peltigera degenii geben. Finden könnten wir allerdings nur P. praetextata.

    Die am Rand deutlich filzige Blattflechte zeigt die typischen nach unten gekrümmten Thallusränder und lange dunkle Rhizinen.

    Unter der Stereolupe sind zudem viele blättchenartige Isidien am Thallusrand und an alten Rissen zu erkennen.

    Bild 6a Peltigera praetextata auf bemoostem Fels im Wald


    Bild 6b Peltigera praetextata mit aufsteigenden, blättchenartigen Isidien am Thallusrand


    Bild 7 Etwa 6 cm hohe, braungrüne Cladonie mit sprossenden, schlanken Bechern P+rot, (K+/-braun).

    Ich möchte Cladonia rei vermuten, u.a. wegen der grob sorediösen Podetien, an der Basis schollig, teils beschuppt.


    Bild 8 Fuscidea cyathoides, könnte ich mir vorstellen (noch nicht untersucht), oder identisch mit:


    Bild 9 Vermutlich die gleiche Art (F. cyanthoides), sollte also gekrümmte Sporen besitzen. Tätsächlich eine Buellia, vermutlich B. leptocline, mit auffälligen gelben Bereichen im Mark


    Bild 10 Die besonnte Basaltblöcke sind mehrheitlich von weißen Krusten, gelber Rhizocarpon geographicum und braunen Blattflechten, wie Xanthparmelien (u.a. X. verruculifera) und Melanelixien (M. fuliginosa), bewachsen.


    Bild 11 Eine sterile weiße Kruste mit üppigen, zusammenfließenden Soralen (Varicellaria lactea?)


    Bild 12 Diese braunen Krusten mit hellen Soralen (verm. Opegrapha gyrocarpa) kommen ebenfalls hier in großen Mengen vor.


    Bild 13 Flechtengesellschaft mit Xanthoparmelia verruculifera oder X. loxodes und Rhizocarpon


    Bild 14 Lecidea mit Rosteinlagerungen, wie z.B. von L. lithophila bekannt.


    Bild 15 Bunte Flechtengruppe - ich würde gerne wissen, welche Krustenflechten so blau werden könnten, wie die kleine Flechte oben in der Bildmitte.

    Ich stoße gelegentlich auf sie, konnte sie aber noch nicht bestimmen. Eventuell nur ein Artefakt durch Schneckenfraß?


    Bild 16 Auch lichenicole Pilze sind vertreten, hier auf einer schönen, rissig areolierten weißen Kruste.


    Bild 17 Diese weiße Kruste mit den stark bereiften, lecanorinen Apothecien und dunklen Scheiben könnte Lecanora rupicola sein.


    Bild 18 Bei dieser seltsamen, gelben Kruste mit den winzigen Apothecien würde ich auf L. polytropa tippen.

    Ev. nach Scheckenfraß erneut einsetzendes Apothecienwachstum? Die weißen Nachbarkursten zeigen jedenfalls deutlich Fraßspuren!


    Bild 19 Ein anderes Exemplar, einige Felsblöcke weiter sieht vertrauter nach L. polytropa aus.


    Bild 20 Ein Kissen aus Cladonien-Grundschuppen in den Tiefen zwischen den Basaltblöcken entpuppt sich als C. caespiticia.

    Zerschlitzte, aufsteigende Schuppen (5-8mm lang) und zahlreiche braune Pyknidiengruppen auf der Oberseite der Schuppen weisen in diese Richtung.

    Der Thallus ist trocken sehr spröde und zersplittert leicht in Einzelteile.

    Die Farbreaktionen des Thallus sind P+rot (und K+braun).

    An den Rändern der Schuppen bilden sich kleine Phyllidien o.ä., die sich leicht ablösen:

    Bild 21 Bildung berindeter, vegetativer Diasporen am Rand der Cladonienschuppen


    Bild 22 Ein letzter Blick zum Großen Gleichberg durch den noch unbelaubten Wald, dann müssen wir zurück nach Hause.


    Es war ein erster sonniger Frühlingstag in netter Begleitung - so das macht Freude. Gerne wieder einmal!

    Ich bin mir sicher, Ingo und Sandra werden bestimmt auch ihre Eindrücke (z.B. Schleimpilze?) hier einfügen oder auch an anderer Stelle.

    Darauf bin ich schon gespannt.


    LG, Martin


    Wenn weitere Funde bestimmt sind, will ich sie hier gerne nachtragen.

    Hallo,


    da mir heute langweilig ist, ein Bericht über den letzten Abstecher in den Nordschwarzwald.

    Der Omerskopf (875m) ist ein Berg südlich Bühlertal und Bestandteil der kleinen Omerskopf-Scholle, einem Gneiskomplex, die in den nordschwarzwälder Granitkomplex eingebettet ist - keine Spur von Kalk.

    Der Berg ist mit reichlich Blockhalden bedeckt. Die vielen unterschiedlichen, kleinräumigen Mikrohabitate machen ihn für Flechten und mich attraktiv, weshalb ich ihn schon ein paarmal besucht habe.

    Es gibt hier einige wunderbare Aussichtspunkte mit Blick bis in die Vogesen, wo Bänkchen die Wanderer zum Verweilen einladen. Getroffen habe ich bisher aber noch niemanden, vielleicht, weil es anfänglich etwas steil bergauf geht und andere, nahe Ausflugsziele (Mummelsee) die Massen anziehen. Die Wege führen durch unberührt wirkende Natur, wo die Flechten üppg wachsen.

    Bild 1: Mai letzten Jahres am Omerskopf


    Zwei Funde von dort hatte ich bereits zur Diskussion hier eingestellt, eine Opegrapha gyrocarpa und vermutliche eine, noch einer Bestätigung harrenden Circinaria caesiocinerea.


    Neben den Krustenflechten lassen sich schöne Blattflechten und viele Cladonien finden. Ich möchte heute den Schwerpunkt auf die Blattfelchten legen.

    Einige Beispiele:

    Bild 2 Graue, isidienfreie Xanthoparmelia stenophylla neben brauner, plüschig-isidiöser Umbilicaria pustulata.



    Bild 3 Braune Blattflechten aus der Xanthoparmelia pulla-Gruppe ("Dunkle Felsschüsselflechten"), R-, was für Xanthoparmelia perrugata sprechen könnte.

    Die C-Reaktion habe ich mehrfach man Mark überprüft, jeweis mit negativem Ergebnis.


    Bild 3a Die Eigenschaften sprechen eventuell für X. perrucata ("Runzelige Felsschüsselflechte") aus der X.pulla-Gruppe, da R-.



    Direkt neben einem Bänkchen an lichter Stelle: Kleinere graue Xanthoparmelien sind ganz klar X. mougeottii, die kleine Flecksorale bildet:

    Bild 4 Xanthoparmelia mougeottii ("Mehlige Felsschüsselflechte"), Pionier auf harttem Silikat mit dem typischen Farbverlauf und den typischen, hellen Flecksoralen.

    Die Flechten fallen mit 1-2 cm Durchmesser klein aus.


    Bild 4a Eigenschaften von X. mougeottii: Sorale/Mark K+ gelb, C-, P+ gelblich



    Schöne Exemplare von meist sterilen, isidiösen Braunflechten auf Silikat sind hier ebenfalls häufig zu finden:

    Bild 5 Xanthoparmelia verruculifera ("Warzen-Felsschüsselflechte") mit knäueligen Isidiengruppen auf runzeligem Thallus.

    Hier Exemplare mit den selten gebildeten Fruchtkörpern.

    Meist begnügt sich die Art mit vegetativer Ausbreitung über die Isidien.


    Bild 5a X. verruculifera mit isidiösen Apothecienrändern und knäueligen Isidiengruppen auf stark runzeligem Thallus



    Auch Melanelixia fuliginosa ist auf den Felsen präsent:

    Bild 6 Die braune Melanelixia fuliginosa ("Samtige Braunflechte") wirkt im Inneren durch den Isidienbesatz schwärzlich samtig.

    Links oben mit gleichem Durchmesser eine dunkelbraune Montanelia disjuncta mit kleinen weißlichen Soralen.


    Bild 6a einige Eigenschaften von M. fuliginosa.

    Insbesondere die dichtstehenden, schwarzen Isidien in der Thallusmitte sind typisch.



    Montanelia disjuncta ist neu für mich:

    Bild 7 Montanelia disjuncta ("Zerstreute Braunschüsselflechte")


    Bild 7a Die dunklen Soredien der kopfigen Sorale tragen sich bei Berührung leicht ab, wodurch das weiße Mark von M. disjuncta sichtbar wird.



    An den Birken zwischen den Felsblöcken wachen ebenfalls braune Blattflechten, die in der Sonne hell bronzefarben glänzen.

    Bild 8 Braunflechten auf Birkenrinde mit dunklen, isidiösen Soralen. Da muss man genau hinsehen. Melanelixia subaurifera ("Gold-Braunschüsselflechte")!


    Bild 8a Am Thallusrand von Melanelixia subaurifera sind helle Sorale erkennbar, die weiter innen von den dunklen isidienartigen Soredien überdeckt werden.



    Weil sie immer schön anzusehen sind, noch zwei Cladonien. Die ersten hier im Moos auf liegendem Totholz:

    Bild 9a Rotfrüchtige Cladonien mit unförmigen, sehr flachen Bechern, deren Inneres glatt berindet ist.


    Bild 9b Die Grundschuppen sind rundlich und unterseits sorediös und stellenweise gelb-orange.

    Aufgrund der flachen Becher mit glattem Innerem tendiere ich deutlich zu Cladonia digitata ("Finger-Scharlachflechte").



    Auf besonnten Baunstubben wimmelt es von roten Säulenflechten.

    Beim genauen Betrachten fallen auch verzweigte Säulen auf, alle mit graugrüner, feinmehlig sorediöser Oberfläche.

    Bild 10 Cladonia macilenta ("Schlanke Scharlachflechte") auf Totholz an sonniger Stelle


    Zum Schluss noch ein typischer Felsen, also beileibe kein Unikat:

    Bild 11 Überflechtete Silikatfelsen


    Und noch ein Plakat, dass ich bisher nur hier gesehen habe.

    Da ich es klasse finde und es vielleicht nicht jeder kennt, zeige ich es hier zum Abschluss:

    Bild 12 Unbeliebte Waldbewohner, in Ausbreitung begriffen


    Das war's für heute. Über Korrekturen würde ich mich am meisten freuen - ich will ja was lernen.


    LG, Martin

    Hallo Inge,


    das wird schon X. conspersa sein. Die Flechte ist in denkalkfreien Gebieten recht häufig anzutreffen.

    Aber auch in Kalkgebieten (wo ich wohne) kann man sie auf kalkfreien Unterlagen finden.

    Auch ich habe sis - so wie du - auf einem Brückengeländer finden können:

    Bild A1 Xanthoria conspersa auf Brückengeländer


    Ich füge einen Link (Lichens marins) zur Flechte ein, in dem auch die Verwechslungspartner erwähnt und verlinkt werden.


    Ansonsten treffe ich sie hier in BW natürlich im Schwarzwald regelmäßig an, es gibt sie also nicht nur hier im Odenwald, wie die von dir verlinkte Kartierung mutmaßen lassen könnten.
    Ferner ist sie nicht nur auf Höhenlagen beschränkt, sondern kommt auch im Flachland vor. Z.B. in der Bretagne an der Küste kann man sie in großer Zahl auf dem Gestein finden.

    Sicher kann man hier einen Tüpfeltest zur Absicherung machen, trotzdem ist das sicher eine Xanthoparmelia. Da sie koralloide Isidien hat (und dicht anliegt) landet man man bei X. conspersa.


    Da sie an exponierten, gedüngten Stellen besonders reichlich wächst, und Vögel diese Stellen gerne als Aussichstpunkt nutzen, ist der Zusammenhang im Zitat klar. Die Färbung geht aber nicht auf Vogelkot zurück.Die Braune Färbung der Apothecienscheiben geht auch nicht auf den Algenpartner zurück. Das sind in diesem Falle (coccoide) Grünalgen, nicht Trentepohlia. Die Färbung geht auf ein braunes Pigment im Epihymenium zurück, Pigmente, die den Paraphysenenden anhaften. Ich hänge zur Verdeutlichung ein schlechtes Bild eines Apothecienquerschnitts an, in dem die Färbung des Epihymeniums gut erkennbar ist.

    Bild A2 Querschnitt durch Apothecium - Epihymenium braun


    Bild A3 Dunkelbraunes Epihymenium (in verd. KOH)


    LG, Martin

    Hallo,


    Flechte 1 ist nach meinem dafürhalten nicht P. praetextata, denn die Oberfläche wäre zumindest irgendwo fein filzig, nicht so fettig glänzend. Die Isidien wachsen meist am Thallusrand. Die Unterseite passt gar nicht. Hier liegen keine typischen Adern vor, sondern schwarzer Filz. Der Thallus wirkt derb und dick, ist rissig:

    Ich erkenne keinen großen Unterschied zum Fund Nummer 2. Sogar die Schizidien sehen (auf dem Händimonitor) ähnlich aus. Ich würde auch hier P. elisabethae vermuten, nur in etwas unterschiedlichen Entwicklungszustand zu Flechte 2.


    Fund Nummer 3 würde ich mit P. didactyla abgleichen. Für die Art sprechen neben der Fundstelle die kleinen Thalli, die filzige Oberfläche, die Art der Unterseite, etc. passt alles gut


    LG, Martin

    Hallo Felli,


    V. flavescens könnte schon sehr gut passen!

    Bei flüchtigen Betrachten meinte ich, die dunkle Blattflechte sei eine Collema.

    Beim zweiten Hinschauen kommt mir die Form und die braune Färbung seltsam vor. Eine Probe hast du nicht mitgenommen, oder?


    LG, Martin

    Hallo Erna,


    die sehen genaus so aus, wie die P. didactyla aus dem Schwarzwald:

    Bild N1 Junge Thalli nur mit Soralen


    Bild D2 Pröbchen mit Soralen und Apothecien


    Bild N3 Blick unter die Apothecien


    Ich denke, das passt schon so.


    LG, Martin

    Hallo Botschafter,


    um sterile Cladonien mache ich meistens einen Bogen.

    Und ohne Chemikalien ist das Unterfangen sehr schwierig bis unmöglich.

    Bei Cladonien braucht man meist neben "K" (KOH 20%) auch die Exklusive Flechten-Chemikalie "P" oder "Pd" (Paraphenylendiamin), manchmal auch "C" (Natriumhypochlorid).

    Ohne sie kannst du eigentlich nur messen, genau beobachten und mit den Angaben im Schlüssel vergleichen.

    Sollte die Form und Größe der Grundschuppen sehr extravagant ist, kannst du die Art vielleicht durch Blättern und Vergleichen herausfinden.


    LG, Martin

    Hallo Erna,


    bei Flechte #1 sind auf dem 3.Foto die Apothecien sattelförmig gekrümmt.

    Wenn das Foto vom gleichen Thallus wie im ersten Foto ist, so kann es wohl nicht P. horizontalis sein, möchte ich meinen.

    Oft beginnen die Apothecien jung plan und krümmen sich erst während der späteren Entwicklung sattelförmig ein.

    Das kann in die Irre führen.

    Der derbe Thallus mit der schwarz filzigen Unterseite mit den ovalen, weißen Fenstern erinnert mit an P. neckeri.

    P. neckeri hat dunkelbraune bis schwarzbraune Apothecien.

    Ich will nicht behaupten, dass dein Fund P. neckeri ist, aber prüfe vielleicht nochmal auf die Apothecienform und -farbe, vergleiche mit der Beschreibung auch von P. neckeri.

    Die Apothecien auf dem ersten Foto sind recht dunkel, die sattelförmigen Exemplare sieht man nur von unten.


    Wenn die hellen Stellen bei Flechte #2 Flecksorale sind (wirklich erkennen kann ich das auf den Fotos nicht; manche der hellen Flecken sehen sogar aus, als ob z.B. ein Blütenblatt auf der Flechte läge und Schatten würfe => abpinseln oder abwaschen und wieder trocknen, das halten sie aus), kommen eigentlich nur zwei Arten in Frage: P. didactyla und P. extenuata.

    So wie ich den Bestimmungsschlüssel interprätiere, ist C+ (flüchtig) rosa kein Alleinstellungsmerkmal von P. extenuata.

    Du zeigst wie selbstverständlich ein Apothecium im zweiten Foto, was bei P. exteuata eher ungewöhnlich wäre, da diese Art meist steril bleibt.

    P. didactyla hingegen hat häufig Apothecien und kann C+ rot reagieren.

    P. extenuata hat, wie hier eindrücklich gezeigt, dichte, wattige Rhizinen, was hier nicht gegeben ist.

    Ich wäre hier mehr bei P. didactyla.


    Da ich beide Arten noch nicht gefunden habe, möchte ich die Meinung der anderen abwarten:

    Sicher wird sich noch Bernd zum Thema melden, vielleicht sogar Ingo.

    Ich bin auf ihre Meinung gespannt!

    Beide kennen sich in der Gattung Peltigera gut bis sehr gut aus.


    LG, Martin