Beiträge von KaMaMa

    Hallo Inge,


    Wolfgang hat schon auf die Kartierung über das Rote Liste Zentrums hingewiesen.


    Ich würde hier auch eher zweimal P. praetextata vermuten; die Gründe hat Bernd schon erläutert. Die Isidien, auf die Bernd verweist, sind auf deinen Fotos auch in den Lappenflächenz.B. an den Rissen (in unscharf abgebildeten Bereichen) zu erkennen.

    Also eine der häufigeren Peltigeraarten. Natürlich stolpert man nicht dauernd darüber, so häufig sind sie dann auch wieder nicht.


    LG, Martin

    Hallo Flechtenfreunde,


    mittlerweile habe ich einen Abstecher in die Rhön unternommen und die Schafkopf-Basaltblockhalde vom Rande her beäugt.


    Leider war das Wetter natürlich regnerisch und die Flechten auf den Basaltblöcken feucht, was die Erkennbarkeit unbekannter Arten erheblich erschwert.

    Die Fotos sind wegen des dunklen Himmels, des rutschigen Untergrundes und der Freihandaufnahmen nur bedingt sehenswert.

    Aber einige sehr interessante Flechten waren zu finden.

    Eine der mit unbekannten Arten wuchs in relativ großer Menge, Thallus an Thallus, durch schwarze Vorlager voneinander abgegrenzt, an der Vertikalfläche eines Basaltblocks am Rand des Weges durch den Wald nach oben.

    Die Flechte war auffällig durch die grünlichen, konvexen Sorale auf einem weißen, körnig-warzigem Lager, das stellenweise dunkle, eingesenkte Pyknidien besitzt.


    Bild 1: Basaltblöcke mit weißen Krusten überzogen


    Bild 2: Stark konvexe, grünliche bis gelblich-grüne Sorale auf weißem, warzigem Thallus


    Bild 3: Kleine, eingesenkte, dunkle Pyknidien


    Bild 4: Stelle mit Thallusgrenzen in Form von schwarzen Vorlagern


    Bild 5: Weitere Stelle mit Soralen, Pyknidien und schwarzem Praethallus - zwischen zwei Thalli der gleichen Art, weswegen der schwarze Praethallus zur gesuchten Art gehören sollte.


    Bild 6 Andere Stelle, Thallus mit schwarzen Strukturen, die sich allerdings nicht als Apothecien herausstellten, sondern leider nur als Dreck.


    Bild 7: Reaktionen C-, K+ deutlich gelb, P- (ev. etwas gelblich)


    Bild 8: Eingesenkte, braune bis schwärzliche Pyknidien (?), Durchmesser 100-200µm (über Millimeterpapier). Vgl. Bild 3


    Bild 9: Querschnitt in Wasser


    Die Struktur habe ich gequetscht, um Konidien freizusetzen und zu untersuchen.

    Konidien habe ich nicht nicht frei schwimmend gefunden.

    Bild 10: Gequetsch in verd. KOH. Hyphenbreite um 1,5µm; Septenabstand auf 10-15µm geschätzt.


    Bild 11: Im gefärbten Zustand sind Anastomosen erkennbar, was ich bei Konidien(trägern) nicht erwarten würde. Vielleicht Apothecien-Initiale? Oder ein Parasit?


    Ungeachtet der Fruchtkörperfrage, komme ich beim Schlüsseln mit Wirth und mit Italic für diese Krustenflechte

    - ohne Gelbtöne im Thallus

    - Photobiont Grünalgen

    - Sorale hell grünlich bis gelblich grün

    - Sorale mehlig und konvex, isoliert

    - Vorkommen auf basischem Silikat

    - K+ deutlich gelb, P-/+ ev. schwach gelblich, C-/+ höchstens schwach gelblich

    letztlich zu Lecanora caesiosora, aber kann das sein?

    L.c. kommt an absonnigen Vertikalflächen in hochmontanen Lagen (und höher) auf basischem Silikat vor - wenn auch in D extrem selten.

    Das könnte sehr gut hinkommen, wenn auch die Rhön als Fundort in meiner Literatur (DFD) nicht erwähnt wird.

    Bei Italic heißt die gefundene Flechte Lecanora cenisa forma soredians mit der Zusatzangabe Syn. L. caesisora.


    Was mich stört, ist, dass der auffällig schwarze Praethallus nicht erwähnt wird - stattdessen sei ein weißer, fasriger Praethallus möglich...

    Den sehe ich nicht und der schwarze Praethallus ist eher das genaue Gegenteil davon.


    Was meint ihr, was könnte das für eine Flechte sein? L. pannonica würde ich ausschließen wollen.


    LG, Martin

    Ach ja, oben angekommen, sieht es genau so aus wie erhofft.

    Aber dazu ein ander Mal mehr!

    Bild 12: Am Rand der nördlichen Blockhalde

    Hallo Patrick,


    sehr gut beobachtet - da habe ich mich wohl verrannt, weil ich mittlerweile von C. polydactyla so gelb/orange Podetien gefunden hatte, aber nicht bewusst von C. digitata.

    Ich habe also die Übersichtsbilder hervorgeholt, um die Grundschuppen zu überprüfen.

    Siehe da - rundliche Grundschuppen und damit ganz klar C. digitata!

    Bild C17 Eindeutig Grundschuppen von C. digitata


    LG, Martin

    Hallo Thomas,


    ich habe gerade den Beitrag hier entdeckt und bin beglückt! Endlich Mal wieder Salamander, die mag ich so arg!

    Bei mir in BW gibt es relativ viele davon.

    Meine erste Begegnung hatte ich vor Jahren tagsüber im Vorfrühling direkt in Hof des Heidelberger Schlosses, wo kleine, flache Wasserbecken mit Unmengen von Feuersalamandern und Erdkröten bevölkert waren. Zum Unglück der Salamander bespringen die heißblütigen Erdkrötenmännchen alles, auch die Salamander. Naja...

    Ansonsten habe ich sie im Spätherbst und frühen Winter tagsüber im Wald angetroffen. Netürlich bei kühlem, feuchtem Wetter. Da sind die Kerlchen ganz flink unterwegs, wenn man ihnen zu nahe kommt.

    Ob nun mitten in der Nacht mehr davon unterwegs sind - keine Ahnung...


    Übrigens gibt es nicht sehr viele rotfrüchtige Cladonien. Wenn du sie (wichtig: Cladonien immer inklusive der Grundschuppen beurteilen!) genau mit der Lupe betrachtest und die Fundumstände (Substrat, Habitat) mit berücksichtigt, kommst du der Sache bestimmt auf die Spur!


    LG, Martin.

    Hallo,


    zwischenzeitlich war ich nochmals vor Ort bei Burg Brauneck und habe eine weitere Probe genommen.

    Bild C12 Cladonienensemble mit rotfrüchtigen und sterilen Bechern.


    Bild C13 Die Flechten sind feucht und mit Reif überzogen. Trocken wirken die Podetien weißlich grau.


    Die Flechte ist tatsächlich rotfrüchtig, die braunen Pyknidien sind mit rotem Gellee gefüllt.

    Die rote Apothecien-tragenden Podetien gehören zur gleichen Art wie die breiten Säulen mit den brau/roten Pyknidien.

    Sowohl die klar rotfrüchtigen Podetien, als auch die seltsamen Becher mit den gezähnten, nach innen weisenden Rändern und den braunen Pyknidien sind fein hell grau/grün soredös, das Becherinnere berindet. Auch die Podetienbasen der durcheinander wachsenden Podetienformen sind berindet.

    C14 Becheraufsicht: Inneres berindet, gelblich


    Wir finden rote Apothecien, rote, braune und schwärzliche Pyknidien mit roter Füllung - alles am gleichen Podetium.

    Hier ein Becher mit braunen Pyknidien und einer fingerartigen Sprossung, die rote Pyknidien und ein rotes Apothecium trägt.

    Der gezeigte Becher ist innen gelblich berindet.

    Braune oder schwärzliche Pyknidien sprechen also nicht zwingend für braunfüchtige Cladonienarten!

    C15 Unterschiedliche Fruchtkörperfarben am gleichen Podetium. Fazit: Braune und schwarze Pyknidien deuten nicht automatisch auf eine braunfrüchtige Art hin. Vgl. auch Bild C6/7 oben.


    Für C. polydacylon passt die gelb-orange Färbung an den Podetien gut zum Fund.

    Durch die Thamnolsäure reagieren die Podetien P+orange und sollten K+gelb reagieren. Daher ist K+dunkelrot/braun (Bild V7/C9 oben) irritierend.

    Auffällig ist die intensive gelb-orange Färbung an vielen Stellen des Thallus, nicht nur an der Unterseite der Grundschuppen, sondern auch an den Podetien und in den Bechern.

    Von den gelb-orangen Stellen (Grundschuppenunterseite) ist bekannt, dass die Cladonien dort K+rot reagieren!

    Welcher Flechtenstoff verbirgt sich dahinter? Ich weiß es nicht, aber die rotfrüchtigen Cladonienarten enthalten in Apothecien und Pyknidien lt. Literatur Rhodocladonsäure, die mit K dunkelrot bis schwarzrot reagiert.

    Ob gelb, orange am Cortex, ob rot oder schwärzlich an den Fruchtkörpern ist hier vermutlich nur eine Frage der Konzentration.

    Ev. kommt dieser Flechtenstoff bei dieser Probe auch außerhalb der Apothecien vor und verursacht dort die intensiv rotbraune Färbung bei Kontakt mit KOH.

    Bild C16 Viele Stellen mit intensiver oranger Färbung kommen an der Flechte vor:

    links und Mitte berindete Stelle an der Basis eines Podetiums, rechts Unterseite einer Grundschuppe; das gelbliche Becherinnere siehe Bild C14


    Auch der Fund in den Vogesen zeigt bei genauer Betrachtung eine rötliche Füllung der schwärzlichen Pyknidien, berindete Becherböden und Podetienbasen.


    Ich meine, Cladonia polydactyla ist für beide Funde die beste Arbeitshypothese - eigentlich kommt nichts anderes in Frage.

    Selbst die gezähnten Becherränder werden für diese Art erwähnt.


    LG, Martin


    Wieder mal eine Cladonienart, die eine sehr breite Formvariation bietet.

    Hallo Botschafter,

    auf abseits gelegenen (lackierten) Stahlgeländern, die in Ruhe gelassen werden, finden sich nach einer Weile Flechten ein.


    ich versuche mal eine Zuordnung, was alleine mit Fotos nicht immer gelingt oder in die Irre führen kann.

    1ab) Xanthoria parietina

    2b) Parmelia sulcata, ein junges Exemplar noch ohne Sorale, nur mit typischem Pseudocyphellennetz

    2c) Physcia caesia (links, vgl. 6&7) und rechts eine P. sulcata, hier schon mit Soralen

    3bc) mit den Braunflechten tue ich mich immer etwas schwer, es gibt einige Arten, die sich ziemlich ähneln, zumindest bei flüchtiger Betrachtung! Die Unterseite ist bestimmungsrelevant (schwarz oder hellbraun), die C-Reaktion (C+ rot oder nicht) des Marks beachten.

    Eine Xanthoparmelia sehe ich hier aber nicht, ich vermute eine Art der Gattung Melanelixia (C+), z.B. M.subaurifera oder M.glabratula (oder M.fuliginosa). Auch Melanohalea traue ich mich bei dem Foto nicht zu 100% auszuschließen (C-). 3c) zeigt vermutlich das Gleiche...

    Xanthoparmelia verruculifera liegt nicht so dicht an und hat z.B. große Isidienknäuel; hier ein Beispiel auf einer alten verwitterten Friedhofsmauerkrone aus Sandstein, etwas halbschattig gelegen unter einem Baum:


    4bc) Phaeophyscia orbicularis mit hervorstehenden schwarzen Rhizinen, b Steril mit grünlichen Soralen, c mit Apothecien - auf deinem Foto übrigens auch mit schwarzen Rhizinen unternden Apothecienrändern. Nicht untypisch, aber man fragt sich - Ei, was sollen die denn da?

    5) Physcia adscendens mit den typischen Kapuzen-Läppchen

    6/7ab) Physcia caesia, makulat mit bläulichen Soralen an Lappenenden.


    Die meisten Flechten hast du also erkannt. Prima!


    Einen ähnlichen Fund auf dem Stahlgeländer eines Stauwehrs über den Neckar hatte ich auch einmal hier eingestellt, falls du Flechtenarten vergleichen möchtest. Dort auch zwei Xanthoparmelienarten, die ich hier im Kalkgebiet sonst nicht finden kann.


    LG, Martin

    Hallo Ingo,

    vielen Dank für die anschauliche Erklärung und die Beispielbilder!

    Insbesondere die Entwicklungsdauer der Apothecien ist neu für mich.

    Da hat du einen großen "Heimvorteil", da du deine Peltigeren um Garten jederzeit und immer wieder beobachten kannst.


    LG, Martin

    Hallo Inge,


    die Strukturen im letzten Foto sollten Apothecien-Initiale sein.

    Findet ein großes Lager, so befinden sich an den jungen, randlichen Lappen diese Apothecien-Initiale, an den älteren Lappen weiter innen hingegen ausgewachsene, reife Apothecien.

    Ich habe, wie ich meine, ein schönes Foto zum Verstehen gefunden:

    Bild A1 Peltigera membranacea mit reifen Apothecien im Zentrum und kleinen Initialen am Rand.

    An manchen Lappen lassen sich Initialstadien (?) finden, die fast mikroskopisch klein und dunkel sind (Bildeinsatz unten links, hier Thallus feucht).


    Die sehr dunklen und auch sehr dicht stehenden Strukturen im Bildeinsatz in Foto A1 sind wahrscheinlich noch jüngere Apothecien-Initiale (eventuell Pyknidien?).

    Um das zu entscheiden, müsste man mal mikroskopieren. Pyknidien werden bei Peltigera allerdings nur sehr selten gefunden und erwähnt (z.B. bei P. rufescens). Ich selbst kenne sie nicht.


    Rhizinen entstehen übrigens nicht am Rand des Lagers, sondern entwickeln sich allmählich aus den Adern auf der Unterseite.

    Die filzigen, unberindeten Adern leiden aufgenommenen Feuchtigkeit gut bis zum Rand des Lagers weiter. Am Thallusrand ist ein guter Platz, um die Sporen an die Umwelt abzugeben, deshalb entstehen die Apothecien vermutlich hier. Allerdings trocknet der exponierte Thallusrand auch schnell ein. Dass die Adern an den Apothecien enden, muss also nicht verwundern, denn es gilt, diese wichtigen Organe hinreichend feucht zu halten. Feuchte Apothecien können ihren Dienst tun, trockene überdauern nur.

    Bild A2 Unterseite der gleichen Flechte mit Rhizinen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien - jung, hell und klein am Rand, lang, dunkler und auffasernd zur Mitte hin.


    Da Ingo Sennepilz Peltigeren im Garten wachsen lässt und deren Entwicklung verfolgt, weiß er bestimmt darüber besser Bescheid.

    Hast du eine Erklärung dafür, Ingo, und erklärst uns netterweise die kleinen dunklen Fruchtkörperchen, eventuell deren Entwicklungsgang?


    LG, Martin

    Huhu,


    bei der Suche nach interessanten Geotopen bin ich auf die Basaltblockhalden am Schafstein neben der Wasserkuppe in der Rhön gestoßen.

    Das hatte Steffen schon oben als Tipp abgegeben. Der Ort scheint etwas wirklich Besonderes zu sein, insbesondere die Fotos der nördlichen Blockhalde siehen sehr vielversprechend aus!

    Und im Basalt war ich bislang noch nicht. :gverstanden:


    Heute wär ich fast spontan mal hingedüst. Aber bei 2,5h Fahrtdauer einfach sollte aber alles passen (Möglichst frühe Abfahrt, Wetter, Licht, ...), denn übernachten will ich nicht,

    Hoffentlich klappt's an einem der kommenden regenfreien Samstagen Anfang Februar, so plane ich das mal ein.

    Vielleicht hat dann ja wer Lust dazuzustoßen?


    LG, Martin

    Hallo Peter, hallo Patrick!


    ja die lieben Calo-Plagen...

    Patrick hat sicher schon alles gesagt, was zu sagen ist.


    Die Flechten auf den Bildern sind durchfeuchtet, oder?

    Da Patrick nupharlutea mit Abstand hier die meiste Erfahrung hat, traue ich mich ein-zwei Fragen zum Thema nachzuschieben. Vielleicht kannst du uns mit ein-zwei Sätzen etwas im Verständnis weiterhelfen.


    Die Thallus-Gewusel auf Bild 6-8 zeigt lauter kleine Thalli mit kaum sichtbaren, reduzierten Randloben und sehr vielen Apothecien. Eigentlich wachsen die (rel.) häufigen Arten C. pusilla und V. flavescens doch rosettig(er). Liegt deiner Meinung nach hier eine Entwicklungsstörung vor? Ich hätte hier vielleicht an Calogaya saxicola s.str. gedacht, die ist ja auch nicht ganz selten und hat kaum sichtbare Randloben. Ein Bereifung ist auch nicht erkennbar, was aber anm feuchten Zustand liegen könnte. Würdest C. saxicola du hier gänzlich ausschließen? Ich habe den Eindruck, dass alles, was früher C. saxicola war, jetzt C. pusilla genannt wird. Gibt es C. saxicola überhaupt?

    Bild A1 Schwach bereifte, üppig fruchtende Calogaya cf. saxicola s. lat. an Friedhofsmauer - hätte ich zumindest dafür gehalten. Wahrscheinlich auch C. pusilla?


    Ferner irritiert mich die deutlich rhomboide Spore etwas, das passt doch nicht zu C. pusilla, oder? Caloplacen wachsen oft dicht beisammen oder durcheinander auf dem gleichen Substrat. Wenn sie nass sind, ähneln sie sich u.U. stark. Wenn man dann nicht aufpasst, landet beim Abschaben von Probenmaterial eventuell solches von mehreren Arten in der gleichen Schachtel. Die elliptischen Sporen in Bild 4 sehen schon anders aus als weiter unten die Sporen in Bild 9ff, besonders in Bild 12.

    Könnte die rosettige Flechte in Bild 1 nicht ev. Variospora flavescens sein? Die kommt doch auch mal so gelb daher und hat schöne romboide Sporen.

    Bild A2 Gelbe, rosettige Variospora cf. flavescens mit gewölbten Randloben (Bildeinsatz) und rhomboiden Sporen an Burgmauer


    LG, Martin

    Hallo!


    Folgender alpiner Flechtenfund ist mir in der Zuordnung nicht so klar geworden, wie ich es gerne hätte.

    Die meisten Bestimmungsmerkmale passen, aber einige wenige Details fallen etwas aus dem Rahmen.

    Vielleicht kennt jemand hier die Flechte und kann etwas zur Bestimmung beitragen?


    In unmittelbarer Nähe zum Großglockner finden sich große Felsen aus Grünschiefer, die dicht mit diversen Flechten bewachsen sind.

    Bild 1 Felsen am Südhang der Freiwandspitz


    Bild 2 Im Hintergrund (nicht sichtbar) ein kleiner Stausee, der sich das Tal entlangzieht


    Auf einer der Felswände sitzt eine aus der Ferne dunkelgrau wirkende Krustenflechte:

    Bild 3 Flechtenfund. Nur kleine Stellen des grünen, geschieferten Felsen liegen frei, z.B. im unteren, rechten Bildanschnitt.


    Etwas größer:

    Bild 4 Die Flechte überwächst andere helle Krustenflechten. Der Thallus ist dick. Zahlreiche kleine, schwarze Apothecien sind zu erkennen. Hier wird eine kleine Probe abgekratzt und zur Analyse mitgenommen.


    Für die anderen Flechten in unmittelbarer Nachbarschaft bin ich in solchen Momenten leider noch blind. Da wächst mehr Interessantes - z.B. die beiden gelblichen, hellen Nachbarn.


    Bild 5 Dieser etwa 2x3 mm große Probenkrümel zeigt deutlich eckige Areolen und eingesenkte bis breit aufsitzende, lecideine Apothecien. Der Thallus ist braun und etwas weiß bereift. Die Apothecienscheiben und der schwarze Rand glänzen. Weißabgleich auf mm-Papierznterlage. Die Apothecien besitzen Durchmesser bis 500 µm.


    Bild 6 Der Thallus wirkt stellenweise schwarz. Das Teilstück oben, in seitlicher Ansicht, zeigt eine Thallusdicke um 1 mm. Die Die Oberfläche der Areolen sind konvex gewölbt.

    Der linke Krümel besitzt 2 unscheinbare Apothecien. Das nach oben zeigende Ende entspricht vermutlich dem Thallusrand mit etwas verlängerten Randareolen. Sie sind radial verlängert.


    Das Mark der Flechte ist weißlich, aber auch deutlich rosa:

    Bild 7 Mark weißlich bis rosa. Der rosa Farbeindruck findet sich auch im Durchlicht unter dem Apothecium nach Quetschen wieder.


    Bild 8 Querschnitt durch Apothecium zeigt coccoide Grünalgen; der Bereich unter dem Apothecium und der Rand sind algenfrei.


    Bild 9 Beim Quetschen in Wasser erkennt man, dass die Paraphysen stark verklebte sind. Sie quellen und lockern sich nach KOH-Zugabe. Das Epihymenium und der obere Teil des Hymeniums ist smaragdgrün. Darunter ist das Hymenium farblos. Auch das Hypothecium ist farblos. Der opake Bereich darunter wird von Medulla abgedunkelt. Das Wasser neben der Probe wird von vielen kleine Kristallen der Thallusbereifung getrübt.


    Bild 10 Nach KOH-Zugabe lässt sich das Hymenium besser quetschen. Asci sind nur wenige zu entdecken, freie Sporen noch weniger. Asci mit deutlich erkennbaren Sporen sind Mangelware. Die wenigen gefunden Sporen sind dickwandig und messen 11-12 x 5,0-5,5 µm. Sie sind einzellig, elliptisch, hyalin.


    Bild 11 Die allgegenwärtigen Kriställchen der Bereifung lösen sich in KOH nicht auf.


    Nach Spülen und Lugolzugabe erweist sich das Hymenium als K/J+ blau:

    Bild 12 Ausschnitt aus Bild 10 nach Spülen und Lugolzugabe. Die Ascuswand ist J-, eine dünne äußere Schicht ist J+.

    Die Hymenialgallerte reagiert tiefblau.


    Bild 13 Anderer Ascus in Seitansicht nach K/J Färbung: Deutlich ohne Tholus, Ascuswand gleichmäßig dick.

    Auffällig ist die blaue Reaktion unter dem Hymenium im kugelzelligen (?) Hypothecium.


    Die J-Reaktion ist durch die schlechte Quetschbarkeit in Wasser an dicken Schichten schwieriger zu beurteilen:

    Bild 14 Hymenium nach Lugolzugabe: Tiefes Hymenium und Hypothecium reagieren tiefblau. Die Schichten weiter außen sind grün, teils sogar gelb...


    Die Tüpelreaktion wurden über der weißen Rückseite des laminierten Millimeterpapiers auf einem Objektträger durchgeführt: ein jeweils kleines Probenstück (ca. 1mm³) wird in eine geringe Menge Reagenz geschoben und die Reaktion unter der Lupe verfolgt:

    Bild 15 Farbreaktionen R- (Weißabgleich auf Hintergrund), allenfalls K+ schwach gelblich in Cortexnähe.


    Beim Verwenden des Lecidea-Schlüssels aus den "Flechten Deutschlands" gelange ich mit Teilschlüssel 6 (grauer Thallus) und 7 (brauner Thallus) beide Male zu Schaereria fuscocinerea. Die Flechten der Alpen sind natürlich nicht vollständig in diesen Bänden abgedeckt (nur Teile der nördlichen Kalkalpen liegen auf deutschem Gebiet), weshalb ein Gegentest bei Italic gemacht wird. Die italienischen Alpen erstrecken sich stellenweise bis ins Kristallin der Alpen und decken weitere Arten ab. Das Ergebnis S.fuscocinerea scheint auch hier zu passen.

    Auch das Habitat der Flechte stimmt: Alpin, auf hartem Silikat, an exponierten Standorten.

    Interessant bei Italic ist die Notiz zu S. fuscocinerea bzgl. der Farbreaktion in HNO4: Epihymenium N+purpur:

    Bild 16 Die violette Farbreaktion in HNO3 des Epihymeniums bestätigt sich - aber auch der Cortex scheint sich zu verfärben, was nicht erwähnt ist.


    Bild 17 Kontrolle eines Probenkrümels in HNO3: der Cortex reagiert ebenfalls N+ violett.


    Mehrere Dinge machen mich stutzig:

    1) die nicht weiße, sondern (mykologen)rosa Medulla, die sich auch hie und da im Mikroskop zeigt

    2) das Schumm'sche Foto an 8.Stelle bei Italic mit dem roten Ascoplasma und der blauen Ascuswand - vermutlich nach Lugoleinfärbung? Kann ich so nicht reproduzieren.

    3) Bei Italic steht in der Artebeschreibung C+ pink und Medulla weiß, ich sehe Medulla rosa und C-. Ist da was über kreuz vertauscht? :gkopfkratz:

    4) Ich finde nur 3 freie Sporen zum Vermessen und lande am unteren Rand der angegebenenn Sporengrößen. Könnte noch passen, aber die Statistik ist grenzwertig mies.


    Was meint ihr dazu? Könnte die Bestimmung trotzdem passen?


    LG, Martin


    P.S.:

    Ich habe zum ersten Male meine neues Lactophenol-Anilinblau-Säurefuchsin ausprobiert. Es färbt das Zytoplasma sehr hübsch lila und kontrastreich ein, stinkt aber abartig! ==Gnolm24

    Eine Vorteil gegenüber meinem Baumwollblau in Milchsäure kann ich nicht erkennen.

    Bild 18 Hymenium eingefärbt mit LAS: Paraphysen einfach, ev. gelegentlich leicht verzweigt (links im Bild).

    Hallo Björn,


    tolle Darstellung wie immer, insbesondere die Mikrobilder sind klasse.


    Da sich eine unbenamste Flechte unter die Funde geschummelt hat, versuche ich gerne, sie zu bestimmen:

    Collema/Enchylium tenax darf weiße Härchen auf dem Thallus haben und ist auch sonst sehr vielgestaltig.

    Die Größe der 4-zelligen bis 6-zellig submuriformen Sporen könnte man natürlich noch mit den Vorgabne vergleichen, wobei auch diese recht variabel ist: irgendwo bei 18-26(30) x (5)8-10(13) µm, je nachdem, wo man nachliest.


    LG, Martin

    Hallo Botschafter,

    das ist ja mal ein toller, verwunschener Ort.

    Er gefällt mir ausnehmend gut!


    Zum Bestimmen der Peltigera muss man einen Thalluslappen vorsichtig von Substrat ablösen und in trockenen Zustand von beiden Seiten beurteilen.


    Zu den Verfärbungen: Es ist natürlich schwierig, anhand einiger Übersichtsfotos zu sagen, was das sein könnte. Wir wissen nicht, ob eine farbige Schicht auf der Flechte aufliegt oder die Flechte verfärbt ist, auch nicht, ob oder Material von der Flechte fehlt.

    Im ersten Moment dachte ich an verschüttete Farbe o.ä. Aber Weiß und Grün? Die weiße Farbe könnte eventuell entstehen, wenn die Oberfläche abgefressen wurde und das Mark frei läge. Das erklärt aber nicht das Grün. Dagegen spricht zudem die kreisförmigen Strukturen. Das Grün scheint am Übergang zu liegen. Ich würde ev. in Richtung Befall denken. Mancher Parasit verstoffwechselt nur die Algen der Flechte, wodurch die Flechte ausbleicht. Dort stirbt auch der Parasit dann ab. Im grünen Übergangsbereich wäre der Übeltäter auf frischer Tat ertappbar.

    Auf jeden Fall sollte man, um das Rätsel zu lösen, eine Probe nehmen und zumindest mal mir einer Lupe genau betrachten. Besser mit dem Mikroskop.


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    mein erster Gedanke bei Fund 1 war wegen der sehr robusten Fruchtkörper, das es ein Pilz sein müsste.

    Beim zweiten Blick fällt natürlich der weißliche Hof um die FK-Gruppen herum auf, wodurch es wie eine Flechte wirkt. Das gilt aber nur für den Fund auf Bild 1a. Die Folgebilder 1bc zeigen keinen ausgeprägten, weißlichen Hof. Da die Fotos offenbar an unterschiedlichen Stellen aufgenommen wurden, kann man nicht ausschließen, dass unterschiedliche Arten vorliegen können.

    Es stellt sich der Frage, von welcher der Stellen die Probe genommen wurde.

    Deine mikroskopischen Ergebnisse führen jedenfalls auch mich beim Schlüsseln nach WHS zu Hysterium.

    So weit so gut.



    Der zweite Fund wird optisch durch viele schwarze Pyknidien dominiert. Die Apothecien sind flacher, legen das Hymenium breit frei. Die dadurch breit elliptischen Scheiben wirken stellenweise über dem Hymenium grau und ev. leicht bereift (?).

    So ein Durcheinander von Anamorphen und Teleomorphen gibt es ja bei Flechten häufig. Hier würde auch ich ich eine Flechte vermuten.


    Leider gibt es keinen Querschnitt durch das Apothecium. Form, Färbung, Dicke von z.B. Hypothecium, Excipulum bleiben unklar, der Algenpartner bleibt unklar. Du zeigst einerseits spindelförmige (oder doch meist stumpf endende?), 4z Sporen in Asci, dann aber 10z (?) frei Sporen mit deutlich stumpfen Enden und gerundeten Fächern, von denen ich aber sehr geneigt bin, sie für Fremdmaterial zu halten. Ich bin nicht sicher, ob ich das alles richtig erkenne.

    Übrigen lohnt sich natürlich ein genauer Blick auf die Größe und Form der Konidien.



    Prinzipiell schwieriges Terrain, da Algen, Flechten, Pilze, auf Rinde übereinander, durcheinander, ineinader wachsen. Parasiten gibt es ja auch noch. Und der Thallus kann im Substrat verborgen sein.

    Ich würde unbedingt versuchen, mit einem ungequetschten Dünnschnitt die Analyse zu beginnen.


    LG, Martin



    PS:

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die schwarzen, rissigen Borkenbereiche am unteren Stamm älterer Birken praktisch immer flächig von solchen hysterischen Pilzen bewachsen sind und daher die dunkle Borkenfärbung kommt.

    Habt ihr eine ähnliche Erfahrung gemacht?

    Nach einer klassischen Lobothallia radiosa sieht mir das wegen der losen nicht am Substrat aufliegenden Randlappen nicht aus.

    Außerdem ist die Flechte am Rand stark bereift.


    Gestern war ich nochmal vor Ort. Leider hat es in Strömen geregnet und vernünftige Fotos waren nicht möglich. Die Probe, die ich nehmen konnte, ist von der Stelle, die oben in den Fotos gezeigt wurde. Dabei ließ sich ein Stück der Größe 15 x 10 mm im Ganzen ablösen, wobei der Thallus hier andere Flechten überwächst (vgl. Bild 2/3). Dien Oberseite ist frei von Isidien und Soralen.

    Bild 4 Probenoberseite mit leicht konvexen Areolen der Größe bis ca. 1mm (vgl. untergelegtes Millimeterpapier)


    In den Gräben zwischen den Areolen sind schwarze Perithecien zu erkennen:

    Bild 6 Licheicoler Pilz mit schwarzen Fruchtkörpern


    Die Unterseite der Probe ist weißlich, ebenso wie die seitlichen Ränder der oberflächlich etwas konvexen, unebenen Areolen. Die Probe ist steril und eventuell durch Schneckenfraß geschädigt, was eine korrekte Bestimmung kaum erlaubt. Ein lichenicoler Pilz mit kleinen, eingesenkten Perithecien sitzt der Probe auf (Bild 4).


    Immerhin scheint sich der Verdacht einer Lobothallia zu bestätigen, graue Krusten mit langen, grauen, lose anhaftenden Randloben gibt es nicht so schrecklich viele.


    Die Färbetests passen mit K+ gelb=>rot; P+ gelb; C- zu Lobothallia, dabei zu Arten mit Norstictinsäure als Flechtenstoff (K+rot, P+gelb; hingegen Stictinsäure: K+gelb, P+orange):

    Bild 7: K+rot


    Bild 8: P+gelb


    Der Thallus zeigt eine Dicke um 0,5mm. Die Areolen eine typische Größe von 1mm. Die Randlobenbreite liegt im gleichen Bereich, um 1mm; ihre Länge überschreitet 3mm deutlich.

    Ferner sind die Randareolen gelegentlich überlappend und nur sehr lose bis gar nicht am Substrat anhaftend.


    Der Lobothalliaschlüssel von Paukov et al. von 2019 führt über die Punkte

    1* Randloben vorhanden (Bild 2)

    10* Thallus mit Nortictinsäure (K+rot, P+gelb)

    13 Thallus teilweise nur lose am Substrat haftend, äußere 1-4 mm der Loben nicht anhaftend, Randloben +/- überlappend (vgl. Bild 2)

    14 mit Norstictinsäure, in trockenen Habitaten (alternativ 14* Stictinsäure; vgl. Färbetest)

    15 Thallus an Substrat anhaftend bis auf äußere typ. 1-4mm; Randloben moderat konvex, (sicher nicht quasi-zylindrisch), grau, Ränder der Randloben oft parallel ausgerichtet. Zentrale Areolen flach bis moderat konvex, unebene Oberfläche

    => Lobothallia praeradiosa


    Die weitaus häufigere L. radiosa würde erschlüsselt, mit 10 Stictinsäure (K+gelb, P+orange), oder 13 Th. fest anhaftend, Randlappen nicht überlappend, ... 18* Randloben flach, .. 19* L. radiosa chemotyp subcircinata mit Norstictinsäure.


    Von den 18 Arten der Gattung Lobothallia kommen in D nach WHS nur drei Arten vor, eine davon auf Silikat (L. recedens). Eine von den beiden Arten L. radiosa oder L.praeradiosa wird es wohl sein - wobei meine Tendenz weiterhin zu L. praeradiosa geht.


    LG, Martin


    Der Parasit entpuppt sich wieder als der gleiche Pilz, der ein paar Meter weiter die Circinaria contorta hoffmanniana befallen hat: Muellerella pygmaea.

    Hallo!


    Beim Kontrollieren meiner Probchen vom Bildstock bei Bieberehren durfte ich einen neuen Zufallsfund machen.

    Im Schnitt- und Quetschpräparat einer Circinaria contorta hoffamnniana tauchten unverhofft kleine Perithecien auf.

    Bei entsprechender Nachsuche lassen sie sich in großer Zahl unter der Lupe finden, wenngleich nur schwer detailreich fotografieren.


    Der Wirt ist eine helle graubraune Kruste mit dick weiß bereiften, eingesenkten Apothecien.

    Der Thallus ist polygonal gefeldert, mehrere Apothecien finden sich pro Areole. Die Asci sind 6-sporig.

    Einen optisch identischen Fund hatte ich vor einiger Zeit genauer untersucht und als Circinaria contorta hoffmanniana bestimmen können.

    Hier galt das Interesse aber vermehrt dem Parasiten.

    Bild 1 bräunlich graue Kruste auf verwittertem Steinsockel


    Bild 2 Schneeweiß bereifte Apothecien - von den winzigen Parasitenfruchtkörpern ist in dieser Vergrößerung noch nichts erkennbar...


    Erst unter der Lupe...

    Bild 3 Schwärzliche, runde Strukturen an der Areolenkante


    Bild 4 Die Fruchtkörper treten


    ...und dann im Querschnitt deutlich erkennbar:

    Bild 5 Querschnitt durch Areole mit Apothecium des Wirts (links) und diversen schwarzwandigen Perithecien mit Durchmessern um 200 µm.

    Der obere Teil der Perithecien wirkt verdickt. Die Perithecien sitzen hier bevorzugt am Areolenrand.


    Nach dem Quetschen tauchen hellbraune Sporen in großer Zahl neben den Perithecien auf:

    Bild 6: Sporen 2-zellig, braun, 6,0-8,0 x 3,0-3,5 µm.

    Sporen teilweise schwach gekrümmt, Septum teilweise leicht eingeschnürt.


    Bild 7 Die Asci sind vielsporig, geschätzt 32-64 Sporen.

    Die Größe der keuligen Asci liegt bei etwa 50-60 x 15 µm.


    Die Gallerte reagiert rot in J, blau in K/J. Die Asci hingegen scheinen J- und K/J- zu sein:

    Bild 8 Gallerte J+ rot, Asci J-


    Bild 9 Hymenialgallerte reagiert K/J+ blau, die Asci K/J-


    Beim Schlüsseln nach Hawksworth 2010 gelange ich zu Muellerella pygmaea, einer offenbar weit verbreiteten lichenicolen Pilzart, die auf einer Vielzahl von Wirten (über 100 lt. CoLH) vorkommen soll.

    Die Gattungen Lecidea, Lecidella, Rinodina, (CoLH weiß auch von Rhizocarpon, Protoblastenia) ... werden genannt und speziell die Art Circinaria contorta.

    Die Schlüsselbegriffe pyrenocarp / Sporen braun / transvers septiert / 1-fach septiert / innere Struktur des Fruchtkörpers nicht parapektenchymatisch / 16-100 Sporen pro Ascus / Sporenbreite > 3µm, Sporen dunkel braun führen zur Art Muellerella pygmaea.

    Die mikroskopischen Eigenschaften werden beim Consortium of Lichen Herbaria (CoLH) gut erläutert und decken sich, soweit untersucht, gut mit dem Fund.

    Von den 3 Varianten scheint aufgrund der geringen Sporengröße am ehesten M. pygmaea var. pygmaea athallina zu passen.


    Ich bin recht zuversichtlich, dass die Bestimmung passt.

    Was meint ihr?


    LG und ein gutes neues Jahr euch allen!

    Martin

    Hallo,


    vorgestern war ich unterwegs und hielt hinter der fränkischen Grenze kurz an einem Bildstock an. Schnell ein paar Fotos unter Zeitdruck gemacht, ein zwei, drei Pröbchen genommen.

    Zuhause am Rechner muss ich feststellen, dass eine der Krusten interessant aussieht. Auf Anhieb kann ich sie gar nicht einordnen. Der Thallus ist am Rand gelappt, die bereiften (?) Lappen lösen sich vom Substrat (Kalkstein) leicht ab. Der Thallus selbst ist eckig-polygonal gefeldert, die Areolenränder weißlich bis hellgrau, die Flächen hellbraun. Das könnten eingesenkte (eckige) Apothecienscheiben sein - oder nur steriler Cortex, was ich mehr glaube. Sorale oder Isidien sind nicht zu erkennen.

    Der Thallusrand erinnert mich stark an Lobothallia praeradiosa, das Thallusinnere aber weniger.


    Bild 1 Kruzifix auf Kalksteinsockel neben Landstraße unweit der Tauber


    Die Flechte sitzt an der Kante der obersten Stufe.

    Bild 2 Gelappte Krustenflechte direkt auf Stufenkante


    Bild 3 Zweites Foto, etwas stärker vergrößernd. Spuren von Schneckenfraß sind deutlich erkennbar. Die Randlappen halte ich für stark auffällig.


    Was meint ihr dazu?


    Das nächste Mal, wenn ich vorbeikomme, nehme ich mir vor, ein Stückchen zu Analyse mitzunehmen.

    LG, Martin

    Hallo Peter,


    ein interessanter Fund und völlig neu für mich, denn ich scheue bisher vor unauffällig-grünen leprösen Thalli ohne deutlich sichtbare Fruchtkörper zurück.

    Du bist doch im Britischen Forum angemeldet: Magst du den Fund nicht auch dort vorstellen? Diese Art wurde dort wiederholt diskutiert. M. Powell würde sich bestimmt freuen.


    Laut Italic ist Holunder ein beliebtes Substrat. Gestern habe ich im Garten an der Hecke und dort besonders am Holunder gewütet, große Haufen zum Schreddern aufgetürmt. Vielleicht sollte ich die Äste genauer betrachten, wenn das Wetter etwas einladender ist.


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    ja, du hast mir allem Recht! Ich finde es auch sehr hilfreich, die Ergebnisse (für das Forum) schriftlich zusammenzufassen und dabei durchzudenken. Abgesehen davon liest vielleicht jemand gegen und bemerkt Fehler oder hat Anmerkungen.


    Es ist übrigens ein neues doppelbändges Bestimmungswerk "Lichens of Irland and GB" erschienen. Ich bin schon gespannt!


    LG, Martin

    Hallo Maximilian,


    ich denke, die Flechte passt sehr gut zu der Beschreibung von O. androgyna, "Typ B" bei Wirth-Hauck-Schultz, S 843) !

    Die gelblichen Sorale könnten also doch zur Felchte gehörten.

    Die Oberfläche kann warzig-uneben ausgeprägt sein.

    Diese Warzen scheinen später zu gelblichen Soralen aufzubrechen.

    P+gelb-orange an den Soralen ist lt. "Lichen de France" typisch. Bei WHS: P- oder P+ bräunlich.

    Da die Flechte noch nicht ausentwickelt ist, ist eine sicher Bestimmung nicht möglich.

    Aber es weist etliches in Richtung O. androgyna, die auf saurer Rinde und auf Silikat vorkommt.


    LG, Martin

    Hallo Felli,


    da hast du über Weihnachten ja nachgelegt:

    Das Substrat ist also stark kalkhaltig.

    Ich vermute als Algenpartner coccoide Grünalgen (Trbouxia?), die in dem Querschnitbild unter dem Apothecium sitzen, am wahrscheinlichsten.

    Die Trentepohlia-Algen ("Grünalgen 2", mit oranger Guttule - Karotinoide) sitzen doch vielleicht eher auf dem Thallus (vgl. auch Eingangsfoto mit Trentepohlia-Puscheln auf der Flechte).

    Nostoc liegt nicht vor, was du da gefunden hast sind bräunliche Hyphen eines Fremdpilzes (z.B. Parasit?).

    Nostoc ist ja grünlich und bildet, wenn es Ketten bildet, schön gleichmäßige Abfolgen, keine so krummen Dinger:

    Nostoc


    Trentepohlia kann in der Kratzspur auch grün erscheinen. Wenn Trentepohlia der Algenpartner wäre, würden wir zu Hymenelia gelangen, die aber im Hymenium nicht IKI rot reagieren würden.

    Schade, dass du das Hymernium nicht K/J getestet hast (erst KOH, dann spülen, dann IKI). Das ist beim Schlüsseln relevant und kann helfen.

    Wenn ich also den Lecidea-Schlüssel für Felchten auf kalkhaltigem Gestein benutze, komme ich im WHS-Schlüssel
    - 1 Thallus nicht schuppig bis schuppig-lappig, sd. krustig bis endolithisch => 2

    - 2 Apothecienscheiben feucht nicht ganz schwarz, sd. bräunlich-rötlich, trocken schwärzlich => 3

    Ausschnitt: Ich mag mich täuschen, sehe aber eine braun-rötliche Färbung)

    - 3 Sporen breit ellipsoid (Q < 2,5), gewöhnlich mit Schleimhülle (?); Apo. feucht braunstichig; Epihymenium braun bis rotbraun => 5

    - 5 Sp. ca. 8-11 x 4-6; Hyp. rotbraun, Epihym. orangebraun-rotbraun; Ap. sitzend, flach, berandet, schwarz bis dunkel rotbraun, ca. 0,3-1mm DM; Paraphysen verzweigt, septiert; Asci vom Porpidia-Typ d.h., man sollte nach K/J einen tiefen blauen Kanal durch den dicken Tholus erkennen können (könnte man versuchen zu zeigen). Thallus dünn bis fehlend (= enodlithisch) => Clauzadea monitcola

    Clauzadea hattest du ja schon vermutet. ==Gnolm8


    Ich kenne diese Flechte nicht. Zusätzlich zu den im Schlüssel erwähnten Eigenschaften gilt ferner:

    Hymenium IKI orange-rot bis bläulichgrün, abh. von Jod-Konzentration, erst blau, dann grün, gelb, orange, rot.

    Das sieht man sehr gut an dem Diffusionsgradienten in deinem Foto ganz oben.

    Sporen mit Schleimhof - könnte man prüfen...

    C. monticola ist euryök auf Kalkstein, auch auf anthropogenen Substraten (Mörtel, Beton); auf kleinen Steinen (!), großen Felsen; vgl. Artbeschreibung auch bei Italic.

    Passt soweit, ist alles stimmig.


    Ohne den Kalknachweis hätte man lange herumprobieren können, ohne wirklich weiter zu kommen.

    Der Lecideaschlüssel ist ziemlich umfangreich.

    Die rote IKI-Reaktion wird leider nicht zu Anfang abgeprüft, in unserem Fall gar nicht.

    Sie wird nur bei der allgemeinen Gattungsbeschreibung zu Clauzadea erwähnt, ist aber natürlich wichtig!


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    ich bin gerade nochmals auf diesen Beitrag gestoßen und habe einen groben Fehler in Bild 9 bemerkt: Die beiden Sporentypen hatte ich vertauscht beschriftet.

    Der Fehler ist nunmehr korrigiert.


    Zum Präparieren der Sporen: In WHS in "Die Flechten Deutchlands" steht Ähnliches zur Vorbehandlung, nur wird hier mit verdünnter KOH nachgeholfen.

    Zitat:



    Bei der Gattung Rinodina müssen junge, unausgefärbte Sporen zur Bestimmung herangezogen werden.

    Beim Fund sind die unreifen (!) Sporen eindeutig vom Physcia-Typ, erkennbar an den ungleichmäßig verdickten Wänden (KOH wurde zugesetzt).

    Vgl. Bild 4 oben (Sporenfotos der Probe)


    Was ich im WHS-Schlüssel vermisse, sind statt der vielen durch Kommata getrennte Aufzählungen die häufigere Verwenung von "und", "oder auch", "entweder..oder". Hie und da ein Punkt oder Strichpunkt mehr wäre ev. auch hilfreich. Die Auflistungen sind so nicht immer gut verständlich.

    Bei Punkt 10 im Rinodina-Schlüssel für Holzbewohner wäre es gut, zu verdeutlichen, ob sich der erwähnte Physconia-Typ bei der Art R.pyrina ausnahmsweise auf reife Sporen bezieht.

    Ich interpretiere die Aufzählung zu den Sporeneigenschaften so, dass der erste Term bzgl. Krümmung, die unreifen Sporen betrifft, da diese bei Rinodina typischerweise betrachtet werden.

    Dann folgt das Wort "reif", wodurch sich alle folgenden Sporeneigenschften auf reife Sporen beziehen müssen. Dann und nur dann würde die Beschreibung für R. pyrina passen.

    Dann wäre das erste Komma nicht gleichberechtigt mit den folgenden. Ein Strichpunkt wäre angemessen, das Wort "Unreif" am Textbeginn zur Verdeutlichung hilfreich.


    Unreif sind die Sporen leicht gekrümmt, was zu R. pyrina passt.

    Reif sind die Sporen gleichmäßig dünnwandig, passt auch.


    LG, Martin