Hallo Albus,
ich persönlich halte das vorgeschlagene Vorgehen für nicht sonderlich sinnvoll. Gelegentlich mache ich das mit dem "Fruchtkörper abspor-geeignet platzieren" trotzdem, wenn ich einen in der Gegend seltenen Fruchtkörper für andere Zwecke entnommen habe, den ich dann doch nicht brauchen kann (in letzter Zeit kommt das gar nicht mehr vor, weil ich den Fruchtkörper dann zumindest für meine Ausstellung noch nutzen kann
). Denn dann habe ich dem Pilz durch meine vorzeitige Ernte ein bisschen Abspor-Potenzial genommen und gleiche das dann dadurch aus, dass ich den Weitertransport der noch anfallenden Sporen ein bisschen begünstige.
Aber meinen Informationen zufolge liegt es normalerweise nicht daran, dass irgendwo nicht genügend Sporen einer Art rumschwirren, wenn sich eine Pilzart an einer Stelle, die einem geeignet scheint, nicht von selbst ansiedelt.
Ich hatte mal vor Ewigkeiten in einem Kurs von einem Experiment gehört (konnte aber die dazugehörige Veröffentlichung nicht finden - wenn jemand die kennt, wäre ich für einen Link dankbar; das ist jetzt aus der Erinnerung), bei dem irgendwo in der Stadt auf einem Flachdach gezüchtete Einkern-Myzelien für Umgebungsluft zugänglich platziert wurden. Die Myzelien waren von ganz verschiedenen Arten: gängige und seltene, solche, von denen bekannt war, dass sie in der Umgebung der Stadt vorkamen und andere. Und nach einem Jahr waren alle von einem Einkern-Myzel zu einem Zweikern-Myzel geworden. Also kamen für alle Test-Myzelien passende Sporen in der Stadtluft vor.
Eine scheinbar geeignete Stelle wird den Ansprüchen der angepeilten Art eben doch nicht so gut passen. Vielleicht weil sich dort schon eine andere Art so angesiedelt hat, dass für einen weiteren Pilz kein Platz ist. Oder weil der Boden doch nicht feucht/alkalisch/sauer/wasserdurchlässig/lehmig/sonstwas genug ist.
Ein zusätzlicher Aspekt, der mir dabei wichtig ist: Selbst wenn es funktionieren würde, würde ich ungern durch meine Auswahl beeinflussen wollen, welche Pilzarten sich ansiedeln. Wie gesagt, bei lokal seltenen Arten habe ich das schon mal gemacht, und z. B. wenn man eine Trüffelplantage betreibt, finde ich das sinnvoll (ich hatte z. B. die Eschen, die ich im Garten in Töpfen habe, mit meinen Speisemorchel-Putzresten beglückt, bislang ohne sichtbaren Erfolg).
Aber mal angenommen, das mit den Täublingen würde funktionieren, und durch den künstlichen Eintrag zusätzlicher Täublingssporen würde ich Täublinge in einem Waldstück ansiedeln, wo diese sich nicht spontan angesiedelt hätten. Das Auswahlkriterium wäre dann: Von Täublingen weiß ich, wie sie absporen, deshalb nehme ich die. Ich halte die üblichen Auswahlmechanismen, die auf die Pilzansiedlung einwirken, für geeignet(er), den passenden Platz für den richtigen Pilz zu finden. Gezielt Fruchtkörper zu entnehmen, um sie dann irgendwo zum Absporen hinzubringen, halte ich aus diesem und den anderen oben beschriebenen Gründen nicht für sinnvoll.
My two cents zum Thema ![]()
Beste Grüße
Sabine
