Der Akku war leer, kaum dass ich den Stack begonnen hatte. Das ist kein Problem, denn ich habe stets einen Ersatzakku (mindestens einen) dabei.
Das Problem lag darin, dass ich vergessen hatte, mein Messer in die "leichte" Fotoausrüstung zu packen. Klar, es war warm, schwülwarm, und ich hatte keine Lust mir den Fotorucksach aufzuschnallen. Denn Rucksack mit schwülwarm fördert den Schweißaustritt am Rücken. Das ist etwas, was ich gerne vermeide.
Da saß ich also am Blutseeufer mit leichtem Gepäck und gegenüber der kleine süße Fratz von Perlpilz, der unstackable durch den lehmigen Weg bricht. Morgen ist er platt. Soviel ist sicher.
Ich habe mir, weil ich ein Sparfuchs bin, mehrere Nameless-Ersatzakkus gekauft. Die haben jetzt, drei Jahre nach Erwerb, durchaus menschliche Tendenzen.
Sie sind kurzatmig und neigen zu sekundärem Dickenwachstum. Den dicksen habe ich in der Kamera, und der will partout nicht freiwillig heraus.
Normalerweise nehme ich also ein Messer und hebele den Fettwanst kleinhübig aus der Höhlung.
Nicht heute, denn ich verfüge nur über leichtes Gepäck.
Dreißig Meter hinter mir, dort wo der Hauptweg eine Fünffach-Kreutzung bildet, parkt nun ein Berliner Fahrzeug ein. Ich könnte kotzen! Immer diese Schlöcher, die im Naturschutzgebiet herumgurken.
Die mir körbeweise meine Fotomotive stehlen, die ihre Monsterhunde XXXL-Haufen legen lassen. Leinenlos. "Ach, wir konnten ja nicht wissen, das Sie hier herumssitzen"...
Und richtig. In der Rückenansicht sehe ich einen jungen Mann, der eine Kunststoffbox aus dem Kofferraum nimmt und auf den Boden stellt. Dann noch eine.
Scheixxe.!
Was mach ich nun?
Anpflaumen? Zurechtrücken? Geifern...?
Sitzenbleiben und Akku angucken?
Tatsächlich betritt der Unhold meinen Weg (er hätte ja vier andere wählen können). Nun habe ich keine Wahl.
"Entschuldigung, haben Sie vielleicht ein Messer dabei?"
Ein freundliches fernöstliches Gesicht wendet sich mir zu.
"Ja", er setzt die Kunststoffkästen ab, durchsucht die Hosentaschen und reicht mir ein Schweizer Offiziersmesser.
Da nenne ich mal international.
In den Kästen liegen einige Akkus. " Fledermäuse?" will ich wissen. Er sagt ja.
Um den Blutsee herum befinden sich etliche verkabelte Nistkästen. Hier läuft ein Langzeitprogramm zur Untersuchung heimischer Fledermausmausarten. Alle, abgesehen von der Alpenfledermaus. Das weiß ich von einem Assi der Uni, der langbärtig wie ein Salafist ein sehr vorrangiges Interesse an meinem Laster hatte: "Bitte machen Sie die Zigarette aus!" Blockwartbefehlen folge ich ungern. Auch in diesem Fall nur widerwillig.
Dieser Fledermäusling stammt aber aus Japan (wie ich vermute), kommt aus Berlin und händigt mir sein Schweizer Offiziersmesser aus. Und er ist freundlich. Aber ich rauche auch grade nicht.
Und deshalb kommt Erebus ins Schwadronieren. Schwätzt von Billigakkus und Pilzfotografie und vergessenem Messer.
"Ah, Pilze! Letzte Woche waren viel viel mehr hier!" sagt sein Gegenüber und sieht interessiert zu, wie Erebus den Akku explantiert.
DAS. Wollte Erebus NICHT hören. Hinten grollert ein Gewitter.
"Meine Eltern suchten mit dem Mond. Aufsteigender Mond: Viele Pilze!"
OK, denke ich. Interessante Sache. Dem sollte man doch mal nachgehen. Irgendwo las ich auch schon davon.
LG, Uli
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